Im Herbst säe ich einfache Bio-Trockenerbsen in abgeerntete Beete. Was zunächst wie eine unscheinbare Gründüngung aussieht, entwickelt sich im Laufe eines Gartenjahres zu einem echten Multitalent. Die Erbsen liefern frisches Wintergrün a la Microgreens, eine Erbsen-Ernte im Frühjahr, natürlichen Dünger für den Boden, neues angepasstes Saatgut und sogar Mulch für das Beet.
Für mich sind Erbsen deshalb eine der spannendsten Pflanzen in der Permakultur. Mit wenig Aufwand erfüllen sie mehrere Aufgaben gleichzeitig und zeigen eindrucksvoll, wie natürliche Kreisläufe im Garten funktionieren können.

Erbsen als Wintergrün/Microgreens im Permakultur-Garten
Nach der Herbsternte bleiben viele Beete leer zurück. In der Permakultur wird jedoch versucht, den Boden möglichst selten unbedeckt zu lassen.
Neben Wintergemüse wie: Spinat, Asiasalate und Salatrauke säe ich im Herbst auch Erbsen aus. Dafür weiche ich die Trockenerbsen über Nacht ein und säe sie anschließend dicht in Reihen. Die Methode erinnert ein wenig an die Anzucht von Microgreens auf der Fensterbank. Schon nach kurzer Zeit erscheinen die ersten zarten Triebe.
Während der kalten Jahreszeit und bis ins Frühjahr hinein können die jungen Triebspitzen regelmäßig geerntet werden. Sie schmecken mild, leicht süßlich und bringen frisches Grün im Winterhalbjahr auf den Teller.

Mehr Ernte durch kräftige Verzweigung
Im Frühjahr legen die Pflanzen richtig los.
Durch die wiederholte Ernte einzelner Triebspitzen verzweigen sich die Erbsenpflanzen und wachsen besonders buschig. Die Pflanzen bilden anschließend zahlreiche Blüten und später eine überraschend große Anzahl an Schoten.
Aus einer einfachen Herbstaussaat wird so eine vollwertige Gemüseernte im Frühling noch bevor die ersten Zuckerschoten reif sind. Genau dieser Mehrfachnutzen macht Erbsen für die Permakultur so interessant.

Warum ich gern Erbsen statt Zuckerschoten verwende
Oft werde ich gefragt, ob diese Methode auch mit Zuckerschoten funktioniert. Grundsätzlich ja, je nachdem wie kalt und feucht es im Winter wird. Dennoch verwende ich bewusst normale Erbsen, sogenannte Schalerbsen.
Zuckerschoten werden vor allem wegen ihrer zarten, essbaren Hülsen angebaut. Sie werden jung geerntet und gegessen. Die Zuckerschoten-Pflanzen sind leider nicht so robust wie Erbsen und werden bei uns eher im Frühling angebaut.
Schalerbsen hingegen lassen sich über verschiedene Entwicklungsstadien nutzen: als zarte Triebe im Winter, als junge Erbsen im Frühjahr und schließlich als voll ausgereifte Körner für Saatgut oder die Küche.
Auch eine Aussaat im Spätsommer ist bei den Erbsen möglich. Zuckerschoten hingegen können im Spätsommer bis Herbst leichter vom Mehltau befallen werden.
Wenn die Hülsen der Erbsen noch frisch und knackig sind, sind auch die Erbsen darin besonders zart. Sie können direkt vom Beet genascht oder gekocht werden. Sehr junge Schoten lassen sich ebenfalls essen, auch wenn sie deutlich fester sind als die der Zuckerschoten.
Wenn du den Unterschied genauer kennenlernen möchtest, findest du dazu einen eigenen Beitrag: Der Unterschied zwischen Zuckerschoten und Erbsen
Natürliche Stickstoffdüngung durch Leguminosen
Ein besonders wichtiger Vorteil von Erbsen liegt unter der Erde verborgen.
Erbsen und Zuckerschoten gehören zu den Leguminosen. An ihren Wurzeln leben sogenannte Knöllchenbakterien. Gemeinsam mit der Pflanze können sie Stickstoff aus der Luft binden und in eine Form umwandeln, die später auch anderen Pflanzen zugutekommt. Gleichzeitig lockern die Wurzeln den Boden und fördern das Bodenleben.
Dadurch eignen sich Erbsen hervorragend als Gründüngung und tragen dazu bei, die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu verbessern. Besonders Starkzehrer wie Kohl, Kürbis oder Sellerie profitieren von den Bedingungen, die die Erbsen hinterlassen.
In meinem Garten folgt auf die Erbsen häufig eine Kohlpflanzung. Bis dahin haben die Pflanzen bereits wertvolle Vorarbeit geleistet und den Boden auf natürliche Weise vorbereitet.

Eigenes Saatgut gewinnen
Ein Teil der Schoten bleibt an den Pflanzen.
Diese Erbsen dürfen vollständig ausreifen und trocknen. So entsteht ohne zusätzlichen Aufwand neues Saatgut für die nächste Aussaat. Wenn du samenfeste Sorten verwendest, kannst du diesen Kreislauf Jahr für Jahr fortführen.
Auch das ist ein wichtiger Grundgedanke der Permakultur: Ressourcen im eigenen Garten zu erhalten und möglichst unabhängig zu wirtschaften.
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Mulchen statt Abräumen
Nach der Ernte endet die Arbeit der Erbsen noch nicht.
Die abgestorbenen Pflanzen bleiben einfach auf dem Beet liegen. Sie schützen den Boden vor Austrocknung, liefern organisches Material und dienen als natürlicher Mulch.
Anstatt Pflanzenreste zu entsorgen, verbleiben die Nährstoffe dort, wo sie gebraucht werden. Die Natur kennt keinen Abfall – und genau diesen Kreislauf können wir uns im Garten zunutze machen.

Die fünf Vorteile von Erbsen in der Permakultur
Mit einer einzigen Aussaat lassen sich gleich mehrere Ziele erreichen:
- frisches Wintergrün ernten
- Erbsen im Frühjahr und Frühsommer ernten
- den Boden mit Stickstoff anreichern und lockern
- eigenes Saatgut gewinnen
- Mulchmaterial direkt auf dem Beet erzeugen
Warum Erbsen perfekt zur Permakultur passen
Wer Erbsen im Gemüsegarten anbauen möchte, erhält mit dieser Methode weit mehr als nur eine Ernte. Die Pflanzen verbessern gleichzeitig den Boden, liefern neues Saatgut und erzeugen wertvolles Mulchmaterial.
Für mich sind Erbsen deshalb ein Paradebeispiel für gelebte Permakultur. Sie bedecken den Boden, liefern Nahrung, fördern die Bodenfruchtbarkeit und unterstützen natürliche Kreisläufe. Aus ein paar gewöhnlichen Trockenerbsen entsteht so ein System, das Jahr für Jahr fast von selbst funktioniert.
Genau solche Lösungen machen auf deinen Garten zukunftsfähig: weniger Arbeit, mehr Ernte und ein Boden, der mit jeder Saison lebendiger wird.
Hättest du gedacht, dass eine einzige Aussaat von Erbsen fünf verschiedene Aufgaben im Garten übernehmen kann?
Übrigens: Erbsen kannst du auch vom zeitigen Frühling bis zum Herbstanfang aussäen. So erntest du fortlaufend frische grüne Proteine!
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