Oktober 2026
Anfang Oktober ist es ungewöhnlich warm. Die Hirsche im Hochwald werden schon wieder leise und auch die Schwalben sind gen Süden geflogen. Dennoch wird es keineswegs ruhiger im Selbstversorgergarten. Morgens und abends ziehen unzählige Gänse und Kraniche mit lautem Geschnatter und durchdringendem Rufen am Himmel vorbei.
Es ist trocken, sehr trocken. Ich bin mir nicht sicher, ob die Blätter vor Trockenheit gelb-braun werden und zu Boden fallen oder der normale Herbstblätterfall eingesetzt hat. Ein richtiges Laubrascheln hört sich anders an. Heute knistert es, wie wenn ich über krosse Chips laufen würde.
Im Garten sind die Herbsthimbeeren reif und das ständige Naschen nimmt kein Ende. Auch Tomaten sind nach wie vor ein willkommener Snack. Nur Äpfel gibt es in diesem Jahr sehr wenige. Dennoch lese ich jeden Apfel auf, der zu Boden fällt: Die Hochachtung und Wertschätzung eines jeden Streuobstapfels liegt mir sehr am Herzen.

Was gibt es im Oktober zu tun?
Im September war ich noch nicht dazu gekommen, die Kartoffeln zu ernten. Die Flächen werden gebraucht, um die letzten Aussaaten des Jahres vorzunehmen – Blattgemüse, welches uns im nächsten viertel Jahr begleiten wird. So befreite ich die ersten Kartoffelreihen vom Beikraut.
Jetzt im Herbst fällt viel Beikraut an. Ich nutze die Grünmasse um Mulchbeete anzulegen. Aktuell möchte ich die bestehende Hecke erweitern. Sie soll breiter werden und benötigt dafür eine dicke Mulchschicht, um den Boden vorzubereiten und aufzubauen.
Somit kommt das Beikraut gleich an Ort und Stelle der neuen Hecke. Kein Zwischenlagern, kein Umschichten: Im Winterhalbjahr verrottet das Beikraut. Mit dem ersten Frost fällt es in sich zusammen, nimmt dem Rasen darunter das Licht und die Bodenlebewesen haben reichlich zu futtern und düngen den Boden.
Zurück zu den Kartoffeln: Die Maulwurfsgrillen haben ganze Arbeit geleistet. Oder vielmehr – sie haben sich dick und rund fressen können, um den Winter gut zu überstehen. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob es nur die Maulwurfsgrillen sind, die die daumengroßen Löcher in die Kartoffeln fressen. Vielleicht, knappern die Urzeittiere die Kartoffeln nur an und Asseln, Tausendfüßler und Co. fressen munter weiter? Regenwürmer finden sich auch zahlreich in Nähe der Kartoffeln. Da scheint eine riesige Party am Laufen zu sein. Und nun komme ich und reiße alles auseinander!

Die Kartoffelernte selbst fällt gut aus. Es sind einige Sorten und Standorte, die weniger Fraßstellen aufweisen. Das bestärkt wieder meinen Mischkulturgedanken und die Sortenvielfalt, die ich jedes Jahr einbringe.
Auf den abgeernteten Flächen lege ich gleich wieder neue Beete an. Beete, die noch einmal bestellt und quasi schon für das neue Jahr vorbereitet werden. Alles in einem Rutsch. Auch das Frühbeet integriere ich gleich. Es dient im Herbst als „Spätbeet“ für Salate und Radieschen. Matthias hat mir in diesem Jahr ein ganz neues Frühbeet gebaut. Es ist gleichgroß wie das alte, ca. 2 qm groß aber ein wenig höher. So kann ich eine gute Kompostschicht einbringen, welche die Bodenwärme und Feuchtigkeit besser hält. Im Frühjahr haben dann die Salate und Kohlrabis mehr Platz nach oben.

Was säe ich im Oktober noch?
Zugegeben, ich bin spät dran. Aber da es verhältnismäßig warm ist, wähne ich mich in Sicherheit. Ich säe bis Mitte Oktober Asiasalate, Feldsalat, Salatrauke, Bremer Scheerkohl, Abessinischen Kohl, Spinat und Radieschen.
Auf einigen Beeten haben sich Blatt- und Kopfsalatpflanzen selbst ausgesät. Diese verpflanze ich nach und nach ins Folienzelt und ins Frühbeet. Vielleicht stelle ich für die vielen neuen Salatpflänzchen doch noch einen kleinen Folientunnel oder Vliestunnel auf. Mal sehen.
Demnächst plane ich Beete die mit Wintererbsen bestellt werden. Auch nehme ich mir vor, weitere Erdbeerbeete anzulegen. Je nachdem, wie das Wetter mitspielt, schaffe ich das noch im Oktober. Es hätte den Vorteil, dass die Erdbeerpflanzen bis Januar/Februar gut anwachsen und schon im kommenden Jahr Erdbeeren ansetzen könnten.

Ernten und Verarbeiten
Auf dem Gemüseacker wachsen allerlei Kohlsorten, die täglich beerntet werden. Der selbst ausgesäte Mangold steht unheimlich kräftig in diesem Jahr. Auch grüne Bohnen reifen nach und dürfen aller zwei, drei Tage gepflückt werden.
Tomaten, Zucchini und Paprika kämpfen schon ein wenig mit dem herbstlich-kühlen Wetter. Gerade die Temperaturschwankungen von Tag und Nacht sowie die nächtliche, feuchte Luft, macht den Sommerpflanzen zu schaffen. Dennoch ernte ich reichlich Früchte, hauptsächlich in den Folienzelten.
Im Herbst ist es auch Zeit für Rettiche, Radieschen, Rübchen und anderes Wurzelgemüse. Eine gute Mischung für eine vielseitige Ernährung mit frischem Gemüse steht im Selbstversorgergarten parat.
Die wilden Obstgehölze hängen auch noch voller Beeren. Die Ölweide und der Sanddorn werden jetzt geerntet. Die Schlehe hat noch ein bisschen Zeit. Aber auch Vogelbeeren hängen an den jungen Ebereschen-Bäumen. Die Haselnüsse sind bereits geerntet und ein paar wenige Walnüsse gibt es dieses Jahr auch.
Selbst auf den Wiesen und den wilden Ecken ist es noch einmal üppig grün geworden. So ernte ich Giersch, Brennnessel, Sauerampfer, Schafgarbe, weiße Taubnessel und Löwenzahn. Auch die Wilde Malve lädt mit ihren vielen violetten Blüten zum Sammeln ein.

Der Übergang zur dunklen Jahreszeit
Da das Tageslicht jeden Tag mehr abnimmt, wird auch die Stimmung im Garten eine andere. Der Rückzug ist allgegenwärtig und dennoch blüht und wächst es kräftig. Früher war ich immer sehr traurig, wenn die Gartensaison zu Ende ging. Heute weiß ich, die Pflanzen nehmen nur eine andere Erscheinung an. Sie gehen in eine weitere Phase über – sind aber nie ganz weg.
Diese Phase heißt Rückzug. Die Pflanzen ziehen sich zurück in ihre Wurzeln, ihre Samen, in ihr Sein. Und auch wir dürfen uns nun langsam zurückziehen. Wie die Pflanzen nutze ich auch die schönen Sonnenstunden im Garten und ziehe mich zurück, wenn es stürmt und hoffentlich endlich viel regnet. Dann darf ich erst einmal in mir ankommen und mich sortieren. Vielleicht keimt schon die ein oder andere Gartenidee. Aber es bleiben erst einmal nur Ideen, die meisten Taten haben noch Zeit.

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