Ein Kartoffelacker in Umstellung auf Permakultur

Eigene Kartoffeln anzubauen ist hier auf dem Land eigentlich nichts Besonderes. Es gibt auch nichts Wohlschmeckenderes als die selbst geernteten Knollen. Während früher große Flächen privat angebaut wurden, schrumpfen diese von Jahr zu Jahr. Aber Warum?

In den Gärten im ländlichen Brandenburg bauen hauptsächlich ältere Generationen Kartoffeln noch selbst an. Aber auch diese Generationen benötigen im Alter weniger, es gibt kaum noch Nutztiere denen Kartoffeln zugefüttert werden und sie schaffen es einfach nicht die großen Flächen allein zu bewirtschaften. Zunehmende Kartoffelkäferinvasionen, Dürre oder zuviel Regen in den letzten Jahren ermutigen nicht ein ganzes Feld zu bestellen. Zudem kann man ja heutzutage alles zu jederzeit kaufen.
Jüngere Generationen kaufen ebenfalls im Supermarkt, pflanzen maximal ein paar Kartoffeln in Hochbeete oder in Pflanzsäcke bzw. besorgen sich bestenfalls eine Gemüsekiste im Abo. Dabei wäre es so einfach sich mit den Älteren zusammenzuschließen und gemeinsam ein Stück Acker mit Kartoffeln zu bestellen. Der Platz auf den Ländereien wäre da. Der Aufwand kann aufgeteilt werden. Noch gibt es hier und da erfahrene Landfrauen und -männer, die ihr Wissen weitergeben könnten. Wer sich ein bischen damit beschäftigt, hat am Ende einen ordentlichen Wintervorrat und wird zumindest Kartoffel-Autark.

Wir bauten einst zusammen mit der Vorbesitzerin unseres Hofes Kartoffeln im großen Stil an. Lernten dies und das, hielten uns an Traditionen. Aber auch wir haben unser Kartoffelacker Jahr um Jahr ein wenig verkleinert. Warum? Es sind ähnliche Gründe: Berufstätigkeit, Kinder, viele andere Verpflichtungen. Wir haben nicht unbegrenzt Zeit dem Unkraut hinterherzujagen, stundenlang Kartoffelkäfer abzusammeln und auf Regen zu hoffen.

Seit gut einem Jahr befasse ich mich jetzt schon mit Permakultur und stelle verschiedene Bereiche in unserem Leben und den großen Garten um. Es darf wachsen was wächst. Wir ernten reichlich. Unser Kartoffelacker war uns aber bisher heilig. Es hatte eine gewisse Tradition. Kartoffeln setzen, aufpflügen, die Ernte der Kartoffeln und die Einlagerung im Kartoffelkeller wurden immer zusammen in der Familie erledigt. Jahr um Jahr das gleiche Spiel.

Als wir im Frühjahr den Entschluss fasten unseren Acker gar nicht zu pflügen, um den Boden zu schonen und auch hier in Richtung Permakultur zu gehen, betraten wir Neuland. Noch ging ich davon aus, dass wir wieder etwas weniger Kartoffeln anbauen würden, um mehr Gemüse ernten zu können.

Saatkartoffeln

Durch die sich schnell wandelnde Zeit mit all den Unsicherheiten und scheinbar düsteren Aussichten – sei es klimatisch oder gesellschaftlich – habe ich die Kartoffeln aus unserem Wintervorrat sehr zu schätzen gelernt. Wie wichtig wird es zukünftig sein, sich selbst versorgen zu können? Bisher schaute ich auf ökologischen Anbau, gesunde Lebensmittel und Vielfalt. Was, wenn Lebensmittel knapper werden, wenn wir wirklich auf uns alleingestellt wären? Wie können wir die Ressourcen Wasser und Strom sparsamer verwenden. Diese Gedanken brachten mich dazu die Kartoffel wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Die Knolle ist nachhaltig, das ganze Jahr verfügbar und macht die Familie satt. Sie kann in einem funktionierenden Kreislauf ohne Mitteleinsatz von außen jedes Jahr angebaut werden. Sicher ist aber auch, der Anbau erfordert Arbeitseinsatz, Ausdauer und Muskelkraft.

Bisher hatten wir die Kartoffeln mit Hilfe eines Kartoffelsetzers gesetzt. Mit einem Kartoffelsetzer werden Löcher in die Erde gedrückt. Ein Korb mit Saatkartoffeln in der Hand und schon geht es los. Die Kartoffeln kommen in die Löcher, die dann mit den Füßen zugedrückt werden. Rechts – links, Schritt um Schritt werden so zwei Reihen mit einem Mal bepflanzt. Das geht recht zügig.

Abgeerntete und freigeräumte Fläche für Kartoffeln

Aber zuvor musste ich die Ackerfläche freiräumen. Im Winter wuchsen verschiedene Wintergemüse und Grünkohl auf dem Stück. Zudem hatte ich Freiflächen mit Gartenabfällen und Laub gemulcht. Schon beim Glattharken bemerkte ich, wie locker und feucht die Erde auf den gut gemulchten oder bewachsenen Stellen war. Es gab jede Menge Regenwürmer die mich optimistisch stimmten. Im Gegensatz dazu ist die Erde auf den Wegen des letzten Jahres hart und trocken. Hier Pflanzlöcher zu buddeln oder zu drücken schien schwer zu werden. Es hatte lange nicht geregnet und es war auch kein Regen in Sicht. Die Erde trocknete auf den freigeräumten Flächen schnell aus.

Zeit die Kartoffeln zu setzen.

Wir versuchten Löcher mit dem Kartoffelsetzer in den Boden zu bekommen. Aber keine Chance, die Löcher vielen entweder sofort wieder zu oder der Kartoffelsetzer kam an den Stellen wo Wege waren erst gar nicht tief genug rein. Da wir dies schon befürchtet hatten, gingen wir zu Plan B über. Wir holten den Handpflug. Damit wollten wir Reihen ziehen, in die wir die Kartoffeln legen konnten. Hört sich erst einmal einfach an. War es dann aber doch nicht. Wie schwierig ist es, gerade Reihen zu ziehen? Der Pflug glitt mal tief mal gar nicht ins Erdreich. Bei festen Erdstücken brach er nach links oder rechts aus. Im Stillen dachten wir beide, was für ein Mist. Mit einem gepflügten Acker, so wie wir es immer gemacht hatten, wäre uns die Schinderei erspart geblieben. Ob das alles so richtig ist? Ob es das wert ist? Wir zogen unsere Reihen fertig, schwitzten und legten die Kartoffeln. Anschließend pflügten wir die Reihen gleich zu. Das gestaltete sich ähnlich kräftezehrend. Im Nachgang hatte ich überlegt, wäre es einfacher gewesen, die Reihen einfach zuzuharken und nach dem Aufgehen der Pflanzen aufzupflügen. Egal, die Knollen waren in der Erde. Geschafft!

Meine Gedanken kreisen jedoch gleich weiter. Eigentlich müsste ich die Reihen ordentlich mulchen um die Beikrautentwicklung zu minimieren. Da die Fläche doch recht groß ist, scheint es unmöglich so viel Mulch auf einmal aufzutreiben. Trotzdem begann ich bereits zu mulchen und werde zumindest einen Teil des Kartoffelackers mit Grünkraut abdecken. Testweise.

Zudem kann ich mir vorstellen, dass die Pflanzen nicht hundertprozentig in einer Reihe aufgehen werden. Das macht ein weiteres Aufpflügen schwierig. Manuelles Anhäufeln könnte nötig werden. Auch das Mulchmaterial ist beim Aufpflügen sicherlich hinderlich. Mein Ziel bleibt es dennoch die Erde irgendwie zu bedecken. Zum einen um Nährstoffe dem Boden, den Lebewesen und damit den Pflanzen zu geben und zum anderen um Feuchtigkeit im Boden zu halten. Denn je kräftiger die Pflanzen wachsen, desto weniger werden sie anfällig für Krankheiten und starkem Kartoffelkäferbefall.

Mulchmaterial bedeckt die Reihen

Des Weiteren werde ich zwischen die Kartoffeln verschiedene andere Pflanzen kultivieren. Erbsen zum Beispiel. Erbsen speichern wie alle Hülsenfrüchte (Leguminosen) Stickstoff an ihren Wurzeln und geben diesen dort später an den Boden ab. Das führt zu besseren Böden. Zudem sollen Kartoffelkäfer keine Erbsen mögen. Ähnliches gilt für Ackerbohnen. Ebenso denke ich an Ringelblumen und Grüne Bohnen. Zur Stärkung der Pflanzen gibt es Brennnesseljauche.

Fakt ist, der Boden muss mit organischen Materialen aufgebaut werden. Kommendes Jahr wird die jetzige Gemüsefläche mit Kartoffeln bepflanzt. Ich muss mir jetzt schon überlegen, wie ich den Boden füttere und locker halte. Gründünger, viel Mulchmaterial und Mischkultur sind Möglichkeiten. Verkleinere ich Wege? Brauch ich überhaupt Wege? Sie nehmen ja eh nur kostbaren Platz weg und verhärten den Boden. Mir fällt auf, dass die älteren Gartennachbarn keine sichtbaren Wege anlegen. Ich erinnere mich, unsere Vorbesitzerin hatte auch kaum Wege auf ihrem Acker.

So viele neue Ideen, so viele neue Erfahrungen und doch braucht es das alte Wissen um weiter zu gehen. Nur die Kombination aus altbewährtem und neuem Wissen kann uns durch diese unsicheren Zeiten tragen.

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Der Unterschied zwischen Zuckerschoten und Erbsen

Es ist schon verwirrend: Da gibt es Zuckerschoten, Kaiserschoten, Markerbsen, Palerbsen und viele andere Bezeichnungen der kleinen grünen Powerfrüchte. Allesamt gehören zu den Hülsenfrüchten und sind im Gegensatz zu Bohnen & Co. auch roh essbar. Wo liegen nun aber die Unterschiede und wie baue ich die einzelnen Erbsensorten an?

Zuckerschoten

Zuckerschoten, Zuckererbsen oder auch Kaiserschoten können samt Schote gegessen werden. Die Schoten werden in einem jungen Stadium geerntet, wenn die Erbsen noch klein sind. Ausgewachsene Erbsen, dicke Schoten, können auch ausgepult Verwendung finden. Zuckerschoten sind, wie der Name schon sagt, sehr süß und daher ein frohlockender Snack.

Markerbsen sind richtige grüne Erbsen, die vor allem frisch verzehrt werden können. Sie haben ebenfalls einen höheren Zuckergehalt, weshalb die kleinen grünen Erbsen sehr beliebt sind.

Pal- oder Schalerbsen finden eher als Trockenerbsen Verwendung. In diesen Erbsen überwiegt der Stärkeanteil. Aus diesem Grund werden Palerbsen eher für herzhafte Gerichte, wie Suppen und Eintöpfe eingesetzt.

Kapuzinererbse – Blauwschokker

Anbau

Alle Erbsensorten können bereits ab Ende März / Anfang April ausgesät werden. Palerbsen sind Frühstarter und dürfen auch schon eher im März ins Beet. Ich beginne meistens mit den Zuckerschoten. Die Saatkörner werden über Nacht in Wasser eingeweicht und anschließend in einem Beet mit gelockertem Boden ausgesät. Es ist nicht nötig den Boden vorher zu düngen oder großzügige Kompostgaben auszubringen. Gesät wird in Reihen aller 20-25 cm ca. 5 cm tief. Die Saaterbsen lege ich in ca. 3-5 cm Abständen. Sobald die Pflanzen 15 bis 20 cm groß sind, werden sie angehäufelt und bekommen ein Gerüst aus Reisig-Ästen. Zuckerschoten und Erbsen können bis zu 1,20 hoch werden. Eine Mulchschicht hält Feuchtigkeit im Boden und minimiert Beikräuter.

Erbsen eigenen sich gut als Vorkultur. Wie alle Leguminosen speichern sie in ihren Wurzeln Stickstoffe, die den Boden aufwerten und lockern. Nach den Erbsen können Grün- und Rosenkohl sowie Wintersalate oder Herbstrübchen angebaut werden.

Markerbsen mit Reisig-Zweigen

Der Unterschied liegt in der Ernte und Verwendung

Zuckerschoten können zeitig als ganze Schote geerntet werden. Sie werden komplett mit Schote am besten roh oder kurz gedünstet gegessen.

Markerbsen sind zwar auch als dünne, junge Schote roh essbar. Die Schoten sind aber etwas härter und werden im weiteren Reifeverlauf sehr zäh und faserig. Die Haupternte der Markerbsen wird ausgepult. Die Erbsen sollten dabei nicht vollreif sein. Besser ist es, wenn die Erbsen in der Hülse noch frisch grün sind und ein wenig Platz in ihrer Schote haben.

Pal- und Schalerbsen bleiben am Strauch bis sie getrocknet sind. Die prallen Schoten können an einem warmen luftigen Ort auch nachgetrocknet werden. In einem Leinensack ausgedroschen oder per Hand ausgepult ergeben sie einen tollen Wintervorrat.

Wer seine Zuckerschoten und Markerbsen nach der Ernte auf dem Beet belässt, kann mit einer kleineren Nachernte im Sommer rechnen. Die Pflanzen produzieren noch einmal Blüten und Früchte, wenn alle Erbsen abgeerntet wurden. Bei den Schalerbsen geht dies nicht, da die Schoten an der Pflanze ausreifen. Die Pflanze hat damit Ihr Ziel erreicht und Samen für folgende Generationen produziert. Es folgen höchstens vereinzelt neue Blüten.

frische Markerbsen

Weitere Anbau-Informationen finden Sie hier: Die Zuckerschote

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Wir starten in eine neue Gartensaison.

Februar (01)

Es ist spürbar, hörbar und fühlbar. Der Frühling kommt in Trippelschritten. Die Tage werden länger, die Vögel aktiver und die ersten Frühjahrsblüher zeigen sich. Doch Vorsicht: Wer gleich zur Samentüte greift, wird höchstwahrscheinlich enttäuscht. Bis es so richtig, richtig los gehen kann, dauert es noch eine Weile.

Wir halten es wie der Vorfrühling, gemächlich – langsam bereiten wir die Gartensaison vor, mal mit Pudelmütze und dicken Handschuhen, mal Indoor und kurzzeitig auch mal in der Sonne nur im Pullover. Zugegeben es juckt in den Fingern, sie wollen in der Erde wühlen und die Füße wollen wieder das Gras spüren. Letzteres hatte ich mir fürs Wochenende vorgenommen. Eine Runde barfuß durch den Garten laufen, wirklich.

Winterlinge

Bis in den März hinein, ja sogar Anfang April, kann es noch Schneeschauer und frostige Tage geben. Aus meiner Erfahrung zeigt sich der März des Öfteren von einer sehr trostlosen und kalten Seite. Ich tröste mich damit, dass ich noch unheimlich viel im Garten vorzubereiten habe.

Krokusse

Ich plane beispielsweise eine Totholzhecke anzulegen. Diese soll Sichtschutz und Zufluchtsort für Insekten werden. Ich möchte viele neue Bäume und Sträucher pflanzen. Die bestehenden Sträucher und Bäume benötigen einen Schnitt. Die Weintrauben bekommen eine Beeteinfassung aus Natursteinen und neue gute Erde. Hügelbeet Nr. 1 ist in die Jahre gekommen und wird zu einem Kräuterbeet umgebaut. Unsere Kompostecke muss aufgeräumt und teilweise umgesetzt werden. Eine neue kleinere Hecke mit Wildobst soll entstehen. Die Erdbeeren brauchen mehr Platz, die neuen Ableger wandern auf Hügelbeet Nr. 4. Die Himbeeren sind zu einem Himbeerwald angewachsen. Die neuen Pflanzen sollen in der schon bestehenden Wildobsthecke ein neues Zuhause finden. Stauden benötigen einen Rückschnitt und dort wo Frühjahrsblüher durchstarten muss das Laub beiseite geharkt werden.

Krokus

Was die Samentütchen angeht: Diese wollen gesichtet und sortiert werden. Auch muss ich neue Samen bestellen. Der Katalog vom Dreschflegel-Versand und Bingenheimer Saatgut liegen schon parat. Ich habe ernsthaft überlegt, ein paar Salatpflanzen für das Frühbeet und den Folientunnel im Haus vorzuziehen. Auch werde ich mir Schnittlauch abstechen und ins Haus holen. Im Frühbeet wachsen bereits Rauke, Löffelkraut und Kresse, ausgesät im letzten Herbst sowie einige Salatpflanzen, die den Winter überlebt haben. Im Stall steht noch ein altes Fenster. Ich überlege, ob ich daraus noch ein zweites Frühbeet mit Steinen aufstelle. Denn eines ist sicher, bis es neuen zarten Salat zu ernten gibt, vergeht noch viel Zeit. Unter Glas und Folie lässt sich diese Zeit ein wenig verkürzen.

Das Vorziehen von Tomaten und Paprika hat auch noch ein wenig Zeit. Ende Februar/Anfang März starte ich mit den Paprikapflanzen, es folgen die Tomaten und vielleicht ein paar Andenbeeren. Die Pflanzen benötigen vor allem viel Licht und sie müssen, wenn Sie größer sind zum Abhärten auch ab und an mal an die frische Luft. Dies kann ich jetzt im Februar/März nicht gewährleisten, somit geht es damit etwas später los.

Schneeglöckchen

Wenn die Erde abtrocknet, kann ich auch die ersten Beete vorbereiten. Zuerst kommen die Puffbohnen in die Erde, es folgen im März Zwiebeln und Möhren sowie Spinat.

Christrose mit Holzbiene

Wer meine letzten Beiträge gelesen hat weiß, dass ich darüber nachdenke, ob wir unser Acker dieses Jahr pflügen oder nicht. Das Hin und Her in meinem Kopf hat ein Ende. Da wir unseren Garten in einen Permakultur-Garten verwandeln wollen, macht es keinen Sinn zu pflügen. Ich habe mich entschlossen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Es hat mächtig viele Vorteile und in meinem Kopf sprudeln nur so die Ideen und neuen Möglichkeiten.

Es gibt also richtig viel zu tun, bis die Vegetation im April / Mai durchstartet. Ich würde gern wissen, welches meiner Vorhaben Euch am meisten interessiert. Gern schreibe ich darüber in meinem nächsten Beitrag.

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Hat der Spaten ausgedient?

Ackertantes Gartentipps

Januar – Woche 03

Alles ist im Wandel und verändert sich. Die Zeit, in der wir leben, rast mit unglaublicher Geschwindigkeit und wirft oft Dinge einfach über den Haufen, die jahrelang galten. Plötzlich kommt das Gefühl auf, kein Stein bleibt auf dem anderen liegen.

Selbst im Garten ändern sich die Ideen, Herangehensweisen, Strukturen, Ansprüche und Aufgaben. Sie müssen sich auch ändern, denn die Welt, das Leben und das Klima ändern sich. Wer das Klima schützen möchte, eine gesunde Ernährung und Selbstversorgung anstrebt sowie auf Nachhaltigkeit großen Wert legt, muss in vielen Bereichen umdenken.

Vor 25 Jahren, wir waren noch Teenager, nahm mich mein Mann mit auf einen Bauernhof mit Hühnern, Schafen einem Hund und einer Katze. Die Bauern selbst waren schon älter und mein Mann half an den Wochenenden und in den Ferien auf dem Hof. Hier musste ich mich das erste Mal in der neuen Familie beweisen. Schafstallausmisten stand ab und an auf dem Programm. Besonders im zeitigen Frühjahr und im späten Herbst war der Stall mit viel Mist gefüllt. Im Herbst kam dieser Mist direkt vom Stall auf einen großen Hänger allein mit Muskelkraft. Der volle Hänger wurde mit dem Traktor aufs Acker gezogen und mit einem Misthaken wurden auf dem Acker Haufen abgeladen. Diese Haufen wurden später mit der Mistgabel per Hand auf dem gesamten Acker verteilt. Das nannten wir Mistspreiten. Es waren sehr kraftaufwendige Aufgaben, die heute noch sehr lebendig in unserer Erinnerung verankert sind. War der Mist verteilt, wurde mit Traktor und Pflug gepflügt. Fertig war der Acker für den Winter, in diesen Zeiten ein gutes Gefühl. Die Erde lag dann ein halbes Jahr lang brach.

Damals reichte die Ackerfläche von Gartenzaun zu Gartenzaun. Es wurden hauptsächlich Kartoffeln und Futter für die Tiere angebaut. Es gab eine Art Bauerngarten mit Gemüse, Folienzelte für Gurken, Spargelbeete und Obstbäume, Erdmieten und Vorratshaltung. Alles wurde akribisch sauber gehalten, Unkraut gab des defacto nicht. Ich war begeistert und bekam dort die Möglichkeit ein paar eigene Beete anzulegen. Dies war der Beginn meines eigenen Gartens.

Unterdessen leben wir selbst auf dem Hof und bewirtschaften ihn seit vielen Jahren allein. Es gibt schon lange keine Schafe und Hühner mehr, was wir vermissen. Die Ackerfläche wurde immer weiter verkleinert und der Garten änderte sich nach unseren Vorstellungen und Wünschen. Wie damals, war es noch vor einigen Jahren unser Bestreben im Herbst zu pflügen. Es kam Mist, der wurde gleich per Maschine auf der Erde verteilt und anschließend pflügten wir mit unserem Traktor.

Irgendwann schafften wir es nicht mehr im Herbst zu pflügen. Es wurde Dezember, einmal pflügten wir sogar zwischen Weihnachten und Neujahr. Wir ließen den Mist weg. Wir sagten uns, es wäre nicht nötig, wir probieren es ohne. Es funktionierte auch. Es gab Vorteile, die Möhren waren nicht so madig, anderes Gemüse schmeckte nicht so streng. In dieser Zeit las ich viel über Permakultur und begann hier und da zu mulchen. Warum? Ich wurde dem Unkraut nicht mehr her. Mein Mann drohte mir, das Acker zu verkleinern. Hausbau, beide berufstätig, zwei Kinder, es gab wichtigere Dinge. Nach zwei Jahren ohne Mist entschlossen wir uns wieder für einen Hänger voll Mist, den wir allerdings erst im Frühjahr einpflügten. Ja, kann man machen, muss man aber nicht. Ich fing an viele Dinge zu hinterfragen.

In Permakultur-Büchern steht geschrieben, dass der Boden nicht umgegraben oder gepflügt werden sollte. Wir überlegen: Grubbern wäre vielleicht eine Alternative, bei dem Mulchmaterial und Kompost in die obere Erdschicht eingearbeitet wird. Ich fing an mit Gründünger zu arbeiten, mulchte die Beete und ließ die Erde so unberührt wie möglich. Lernte das Unkraut gern zu haben.

Unterdessen haben wir Januar. Mein Mann wollte bereits im Herbst pflügen. Ich überredete ihn bis zum Jahresanfang zu warten. Im Februar – März wäre ein guter Zeitpunkt. Auf Mist wollten wir dieses Jahr und auch in Zukunft verzichten. Gründünger, Kompost und gemulchte Beete erscheinen uns heute sinnvoller. Aktuell bin ich mir gar nicht so sicher, ob wir pflügen sollten. Wir diskutieren, wägen ab. Die Fläche ist zu groß, die Arbeitserleichterung durch das Pflügen einmalig. Obwohl: So eine Ackerfläche will geharkt, die Erdklumpen kleingemacht, die Kannten grade gezogen und Beete angelegt werden. Ich und die Harke alleine auf dem Acker.

Von meiner Permakultur-Hecke weiß ich, dass die Erde dort sehr gut ist. Sie ist voll mit Leben aller Art, locker, die Sträucher und Bäume wachsen gut, sehen gesund aus. Was aber tun wir jetzt mit diesem Acker? Zerstören wir wieder absichtlich die entstandene Bodenstruktur? Holen wir die Unkrautsamen aus längst vergangenen Jahren an die Erdoberfläche, wo sie wieder keimen können? Was macht Sinn? Was ist Arbeitserleichterung?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir die Ackerfläche in einigen Jahren nicht mehr pflügen werden. Auch wenn uns dann etwas traditionelles fehlen würde. Es wird vielleicht auch nicht mehr einen großen Acker, sondern verschiedene Gartenbereiche geben. Benötigen wir so viele Kartoffeln? Wo liegt unser Schwerpunkt? Selbstversorgung bedeutet für mich große Vielfalt und Gärtnern zu jeder Jahreszeit. Es braucht verschiedene Bereiche im Garten, um mit den unterschiedlichen Wetterbedingungen klarzukommen. Wir benötigen Schatten im Hochsommer und geschützte Ecken im Winter. Regenwasser ist kostbar und muss gesammelt werden, muss aber auch abfließen, wenn es zu viel regnet. Wir wollen zurück zu fruchtbaren Böden, vielen Regenwürmern, Krabbeltieren, Insekten, Kleintieren und Vögeln. Die Natur muss zurück ins Gleichgewicht und das fängt in unseren Gärten an.

Den Spaten brauchte ich in den letzten Jahren kaum. Weder zum Abstechen von Rasenkannten noch zum Umgraben. Nur um Pflanzlöcher für neue Bäume und Sträucher auszuheben, benutzte ich ihn recht häufig. Klingt doch wie ein guter Schritt in Richtung Permakultur.

Der Wandel hat begonnen, auf welche Reise er uns führt, welche Wege wir bestreiten, ob es leicht wird oder knifflig, all das wird sich zeigen, wenn es soweit ist.

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Vor- und Nachteile eines Hügelbeetes

Ackertantes Gartentipps

Januar – Woche 02

Im Herbst und Winter können Hügelbeete recht einfach angelegt werden. Worauf geachtet werden sollte, welche Materialien verwendet werden können, welchen Nutzen ein Hügelbeet hat und wozu es nicht geeignet ist, will ich hier kurz anhand meiner Erfahrungen erklären.

Beginn des Baus zweier Hügelbeete im Herbst

Mein erstes Hügelbeet entstand 2018 eher aus einer Not heraus. Ich hatte von Hügelbeeten gelesen und wollte ein schnelles Beet auf unfruchtbarem brachen Boden für den Frühling zaubern. Es klang verlockend, Gartenabfall –> Erde –> Haufen –> fertig. Was aber genau ist ein Hügelbeet und wie wird es gebaut?

Hügelbeete sind im Prinzip eine Form des bewachsenen Komposthaufens. Hügelbeete stehen am besten an einem halbschattigen, geschützten Platz. Der Untergrund muss nicht zwingend bearbeitet werden. Die unterste Schicht bilden Äste, Schnittgut, grobe Strünke und alles was länger zum Verrotten braucht. Darauf kommt eine Lage Grünabfall, Laub, Rasenschnitt und Erde im Wechsel.

Ein älteres Hügelbeet (links) und der Beginn eines neuen Hügelbeetes (rechts)

Ein Hügelbeet sollte nicht breiter als 1,20 bis 1,50 Meter sein. In der Länge gibt es kein Limit. Der Haufen wird mit den unterschiedlichsten Gartenabfällen gefüttert. Immer wieder kommt eine leichte Schicht Erde dazwischen. Der Hügel wird mit frischen Materialien im Herbst über einen Meter hoch gebaut, da er noch zusammenfällt. Es ist sinnvoll immer wieder darauf herum zu trampeln, damit das Konstrukt stabil wird.

Sind die Materialien zum Bau im Winter schon durchgefroren und halbverrottet, reicht es wenn der Hügel maximal einen Meter hoch wird. Zum Schluss bedeckt eine Schicht Erde den Hügel. Die Erdschicht sollte so dick sein, dass etwas hineingesät oder gepflanzt werden kann. Anschließend wird die Erdschicht mit einer Mulchdecke abgedeckt. Dies verhindert das Austrocknen und die Erde bleibt feucht und locker.

Du brauchst alles was im Garten sowieso anfällt:

  • Schnittgut
  • Äste, Totholz
  • Grobe Strünke
  • Grünabfall
  • Laub
  • Rasenschnitt
  • Erde aus dem Garten

Im Sinne der Permakultur werden nur Materialien verwendet die im Garten vorhanden sind. Sinnvoll ist es, mit vielen verschiedenen Abfällen zu arbeiten. So wird sichergestellt, dass alle Nährstoffe vorhanden sind. Ein ökologischer und nachhaltiger Kreislauf entsteht.

Im Inneren des Hügelbeetes sorgen viele Kleinstlebewesen, Bakterien und Pilze für Abbauprozesse und bilden eine neue fruchtbare Erde. Sie produzieren zu dem Wärme, was im Frühjahr ein Nutzen sein kann. Im ersten Jahr empfiehlt es sich Starkzehrer zu pflanzen: Kohlsorten, Tomaten, Zucchini etc.. Im zweiten Jahr bzw. im späteren Jahresverlauf können auch Blattsalate, Mangold für den Winter oder Erdbeerpflanzen Einzug halten. Wurzelgemüse sollte erst ab dem zweiten Jahr ausgesät werden.

Kohl für den Winter

Wichtig ist, dass das Hügelbeet immer gut gemulcht oder dicht bewachsen ist. Denn, zum einen wäscht plötzlicher Starkregen oder die Gartenbewässerung nicht die gesamte Erde aus, zum anderen werden die Sommer immer trockener, Mulch bietet einen Schutz gegen die Verdunstung, Austrocknung und unerwünschtes Beikraut.

Vorteile eines Hügelbeetes

  • Erzeugt fruchtbare Erde über 2-3 Jahre
  • Produziert durch Zersetzungsprozesse Wärme (im Frühjahr interessant)
  • Trocknet im Winterhalbjahr schneller ab, schnellere Erwärmung
  • Erhöht die Anbaufläche
  • Verwandelt unfruchtbare Stellen im Garten in fruchtbare
  • Nachhaltige Anbau-Methode mit vielen Nährstoffen
  • Kann ganzjährig genutzt werden
  • Ideales Beet für Mischkulturen, da unterschiedliche Plätze (sonnig, schattig, trocken, feucht)

Nachteile

  • Austrocknungsgefahr im Hochsommer
  • Erneuerung oder Zugabe von Kompost nach dem 3. Jahr
  • Kein Platz für langjährige Stauden oder mehrjährige Nutzpflanzen

Hügelbeete fallen relativ schnell zusammen. Je nachdem wie frisch die Materialien sind, kann der Hügel bereits über den Winter erheblich schrumpfen. Andererseits darf das Hügelbeet nicht zu steil aufgebaut werden. Beim Bau immer daran denken, dass auch die Seiten bepflanzt werden wollen. Aber all diese Erfahrungen kommen beim Bau von ganz alleine. 🙂

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Erde „ernten“

Ackertantes Gartentipps

Januar – Woche (01)

Kann man den schon was im Garten machen? 

Manchmal lockt die Sonne und man könnte sofort Stiefel, Mütze und Handschuhe anziehen und rausstürmen. Macht Sinn, wenn man etwas vorhat, wie beispielsweise ein Hochbeet bauen oder unerledigte Aufräumarbeiten beenden. Auch kann bei schönem, frostfreien Wetter noch geerntet werden: Spinat, Grün- oder Rosenkohl zum Beispiel. Baumschnittarbeiten würde ich im Obst- und Ziergarten im Januar-Februar noch nicht vornehmen. Alles was mit Erde zu tun hat, ist ebenfalls nicht zu empfehlen. Also kein Unkraut jäten oder graben, hacken oder sonstiges. Die Erde im Garten ruht jetzt, am besten rührt man sie gar nicht an.

Maulwurfshügel

Die einzige Ausnahme bilden für mich Maulwurfshügel. Ich freue mich über jeden neuen Hügel, der unsere Obstbaumwiese ziert. Denn diese Erde ist fast samenfrei und leicht zu „ernten“. Bei frostfreiem Wetter hole ich mir ein Eimerchen voll Erde und stelle mir diese an die Hauswand. Wofür? Dies ist meine Anzuchterde für Microgreens. Sie ist quasi kostenfrei, locker, feucht, natürlich, nachhaltig und enthält kaum unerwünschte Samen. Der Maulwurf stößt die Erde unter der Wiese beim Graben locker auf und befördert diese zu Tage. Warum also Erde kaufen?

Microgreens wachsen auf Erde kräftiger

Microgreens wachsen auf einer Schicht Erde besser als auf Küchenpapier oder Watte. Der Nachteil der Erde ist, dass die Samen bei Staunässe schneller schimmeln. Daher kann bei zu fetter Erde ein wenig Sand untergemischt werden. Zudem ist ein mäßiges gießen/besprühen und ein nicht zu dichtes ausbringen der Samen von Vorteil. Ich nutze unterdessen meine alten Auflaufformen und Kübeluntersetzer für die Microgreens. Bevor ich beginne die Microgreens auszusäen, lasse ich diese über Nacht in Wasser einweichen und über den Tag ankeimen. Abends, manchmal auch einen Tag später, kommen Sie auf angedrückte Erde und werden mit Erde leicht zugedeckt. Die Erde, die ja draußen an der Häuserwand steht, nehme ich rechtzeitig vorher ins Haus, damit sie die gleiche Temperatur hat. Somit wachsen die kleinen Sämlinge gleich munter weiter.

Wer keinen Garten hat, sollte sich also beim nächsten Spaziergang einmal umsehen. Vielleicht findet sich eine Wiese oder Waldrand, wo der Maulwurf schon seine Erde aufstößt. Schauen Sie sich um, sind die Hügel auf einer gut bewachsenen Wiese, Böschungen oder am Waldrand, wird die Erde gute Qualität haben. Auf Schuttwiesen oder Brachflächen wird die Qualität nicht so gut sein. Je natürlicher die Umgebung, desto besser. Und noch ein Tipp, nehmen Sie nicht den ersten Hügel direkt am Wegesrand. Dieser kann ein beliebter Hundepipiplatz sein.

Abdeckung eines Hügelbeetes

Wer in seiner Nachbarschaft oder im eigenen Garten viele Maulwurfshügel findet, kann diese Erde auch für Ausbesserungen im Garten verwenden. Löcher oder Dellen im Rasen, eine Anzugleichende Fläche, Abdeckung für Hügelbeete oder einfach als Erdnachschub im Hochbeet. Die Erde ist, solange sie nicht gefroren ist, vielseitig einsetzbar.

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Kräutertee mischen

Draußen waren es heute frostige -2 bis -5 Grad. Eine dünne Schneedecke bedeckt den Garten. Es ist Zeit die vielen getrockneten Kräuter zu sortieren, zu beschriften und Teemischungen zu kreieren.

Den ganzen Sommer über pflücke ich die verschiedenen Blüten und Blätter. Das meiste stammt aus meinem Garten, einige Wildkräuter sammle ich auf den Wiesen rings um unseren Hof.

Meine Lieblingsblüten sind: Kornblumen, Ringelblumen, Malve, Gänseblümchen, Lavendel und roter Klee. Dazu gesellen sich für meinen Blüten-Haustee Johannisbeer- und Brombeerblätter, Minze und Zitronenmelisse

In einer anderen Teemischung kombiniere ich Minze, Zitronenmelisse, Johannisbeer- und Brombeerblätter, Giersch, Gänseblümchen, Zitronenverbene und Kornblumen.

Wenn eine Erklärung mit Halsschmerzen im Anflug ist gibt es Zitronenmelisse, Kamille, Salbei, Gundermann, roter Klee und Minze

Ich mische nicht alle Kräuter. Viele verwende ich gern pur. Zum Beispiel meine Zitronenverbene oder Orangenverbene. Alle Heilkräuter bleiben einzeln: Thymian, Holunderblüten, Kamille, Fenchel, Schafgarbe, Brennnessel, die weiße Taubnessel, Pfefferminze und Spitzwegerich.

Für eine fruchtige Note stehen getrocknete Apfelschalen und Hagebutten im Schrank. Sanddorn- und Holundersaft runden das Getränkeangebot ab.

Der Winter kann kommen, ich und meine Familie sind versorgt!

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Der erste Frost

Morgens ist es richtig kühl, das Grass tropfnass und der Nebel löst sich erst langsam auf. In der Ferne rufen Kraniche, die ersten Gänse formieren sich schnatternd am Himmel. Es ist Mitte September. Das Ernten ist im vollen Gange. Vieles im Garten und der Natur wird jetzt gleichzeitig reif und will verarbeitet werden.

Der Herbst kommt mit großen Schritten. Man erkennt es an den Blättern, am Nebel und den Tieren. Ein Blick auf die Wetterdaten ist jetzt unerlässlich. Es ist bald soweit, der erste Nachtfrost wird in den frühen Morgenstunden durch die Gärten ziehen. Wird dem Wildwuchs Einhalt gebieten.

Was passiert

Kälteempfindliche Pflanzen wie Bohnen, Tomaten, Gurken, Basilikum, Zucchini und Kürbis können oberhalb bis komplett Schaden nehmen. Auch die schönen Dahlien und Cosmea vertragen keinen Frost. Die gute Nachricht: Fast alle übrigen Pflanzen halten eine ganze Menge an Kälte aus, allen voran die Kohlsorten, Wurzel- und Blattgemüse.

Kohl und Wurzelgemüse vertragen Kälte und Fröste.

Was kann getan werden

Wenn für die Nacht Temperaturen von 3 Grad und darunter angesagt werden, kann es in Niederungen zu Frostschäden kommen. Besonders in klaren Nächten und zur Vollmond-Zeit steigt die Gefahr. Es hilft, in diesen ersten kalten Nächten, empfindliche Pflanzen mit Decken, Flies oder Folien abzudecken. Kübelpflanzen stelle ich an geschützte Hauswände. Alles andere, was nicht abgedeckt oder in Sicherheit gebracht werden kann, sollte jetzt oder kurz vor dem Frost abgeerntet werden.

Beispielsweise wachsen bei mir im Garten Zitronen- und Orangen-Verbenen-Büsche. Beide muss ich in den kommenden Tagen ausbuddeln und in Töpfen zum Überwintern umquartieren. Ebenso ist es mit den zahlreichen Basilikumpflanzen. Diese werden zu Pesto verarbeitet, vielleicht ziehe ich mir auch noch einmal Stecklinge für ein Wintertöpfchen oder pflanze einige Stauden in Töpfe. In diesen Tagen stelle ich mir große Sträuße aus Dahlienblüten ins Haus. Diese halten zwar auch nicht ewig, trösten aber wenn draußen alle Blüten schwarz geworden sind.

Der Frost hat auch gute Seiten

Sobald die ersten kalten Nächte kommen und der Frost uns besucht hat, färben sich die Blätter der Laubbäume und Sträucher in den schönsten Herbstfarben. Gibt es keine nächtliche Kälte, würden die Blätter lediglich absterben und herunterfallen.

Zudem zeigt uns der Frost unsere Grenzen auf. Zwar können wir einige empfindliche Pflanzen retten. Er macht uns aber auch unweigerlich klar, dass die Gartensaison in die nächste Etappe übergeht. Im Herbst zu gärtnern ist um einiges einfacher als im Frühjahr, da wir vieles nutzen können, was schon auf den Beeten steht. Dennoch funktioniert der Anbau von Gemüse jetzt anders als im Sommer.

Wie im Herbst und Winter der Garten zur Frischkost-Versorgung genutzt werden kann, möchte ich in diesem Jahr konkreter ausprobieren und hier meine Erfahrungen teilen.

Die Zitronenverbene steht im Sommerhalbjahr direkt auf dem Acker.

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Kreative Permakultur

Eine Wildobst-Hecke entsteht

Hecken sind wichtige Lebensräume, sogenannte strauchige Kulturbiotope. Es gibt allerdings kaum noch Naturhecken im eigentlichen Sinne. Unsere heutigen Hecken sind meist gradlinige Mono-Pflanzungen in Wohngebieten. Große Naturhecken waren ursprünglich zur Abgrenzung und zum Schutz angelegt worden. Sie bestanden aus bis zu drei Reihen Sträuchern und vereinzelten Bäumen. Natur- und Nutz-Hecken waren wichtiger Bestandteil des naturnahen Lebens. Sie lieferten wertvolle Nahrung und Baumaterialien zugleich.

In der heutigen Zeit wären solche großen bunten Hecken ein Seegen. Tiere und Pflanzen aller Art fänden einen Lebensraum, Nahrung und Schutz. Auch wir Menschen würden von Naturhecken nur profitieren. Sie versorgen uns mit verschiedensten Obst- und Wildobstsorten sowie wertvollen Wildkräutern und verbessern unser Klima im Kleinen und Großen.

Fasziniert von dieser Idee entstand im Herbst 2020 mein Plan eine Wildobst-Hecke anzulegen. Dabei flossen Gedanken aus der Permakultur, Klimaschutz und Vielfalt ineinander.

Die Hecke ist aktuell knapp 40 Meter lang und am Boden etwas über einen Meter breit. Angelegt hatte ich sie im Winterhalbjahr. Im Frühjahr pflanzte ich essbare Obst und Wildobst-Bäume sowie Sträucher. Ziel dieser Hecke soll es sein, einen Bereich zu schaffen, der „wild“ wachsen darf, der mich und meine Familie mit vielen Obst- und Wildobstsorten versorgt. Zudem soll die Permakultur-Hecke Lebensraum für Vögel, Insekten und Kleintiere werden. Auf einem bisher sehr sonnigen und trocknen Teil des Gartens entsteht somit ein Schattenbereich, der das Klima des Gartens in heißen Sommern und rauen Wintern nachhaltig schützt.

Vier selbst gezogene Pfirsichbäume und ein mittelstämmiger Klarapfelbaum, der bereits seine vollständige Größe erreicht hat, sowie ältere Beerensträucher bildeten den Anfang der Hecke. Neu pflanzte ich eine Eberesche und schwarzen Holunder. Als weitere hohe Sträucher kamen Haselnuss, Schlehe, Weißdorn, Hagebutte, wilder Flieder und Felsenbirne dazu. Im niederen Bereich finden sich unzählige Johannisbeersträucher, Stachelbeeren und Himbeeren. Zudem pflanzte ich einige Rhabarberstauden und Topinambur.

Um die Hecke bereits im ersten Jahr zu begrünen, wachsen u.a. Pfefferminze, Ringelblumen, Kapuzinerkresse und Kürbisse in dieser Hecke. Auch Kartoffeln habe ich unter die dicke Mulchschicht gelegt und Tomaten wild wachsen lassen. Dadurch, dass der Streifen aus groben Kompost und Mulchmaterial angelegt wurde, wachsen auch viele selbstausgesamte Pflanzen in der Hecke, wie Grünkohl und Salate. Beikräuter musste ich von Zeit zu Zeit entfernen, einige durften jedoch bleiben. Schafgarbe, Sauerampfer, Löwenzahn und Spitzwegerich wachsen recht üppig. Sonnenblumen fühlen sich ebenfalls sehr wohl. Jetzt blüht sogar die Cosmea, im Mai leuchtete die Hecke blau und rot von unzähligen Korn- und Mohnblumen.

Leichtes Anlegen einer Permakultur-Hecke

Grasnarbe ausstechen ist nicht so mein Ding. Ich hatte im Herbst einfach die grünen Abfälle aus meinem Garten auf der geplanten Fläche ausgelegt, ca. 20-30 cm dick. Für die Umrandung der Hecke nutzte ich altes Holz eines abgerissenen Bauernhauses. Es funktioniert auch mit dicken Ästen, Baumstämmen, alten Ziegeln, Steinen oder anderen Begrenzungsmaterialien. Es kann theoretisch auch ganz darauf verzichtet werden. Auf die Gartenabfälle verteilten wir im Winterhalbjahr grob verrotteten Kompost und deckten das ganze mit einer Mulchschicht aus Rasenschnitt und Laub zu. Über den Winter fiel die Schicht aus Pflanzenmaterialien und Erde zusammen, so dass sie nur noch ca. 10-15 cm höher ist als der ursprüngliche Boden. Die Idee dazu kam mir in Abwandlung zu meinen Hügelbeeten, die ich ähnlich anlege.

Im Frühjahr bepflanzte ich die Hecke in einem Mix aus hohen und niedrigen Elementen. Die Sträucher und Bäume selbst stehen in einer Reihe mit einem Abstand von 1 bis 1,5 m. Die Bäume haben größere Abstände, die kleinen Sträucher weniger. Was benötigt Sonne, welcher Strauch fühlt sich im Schatten oder Halbschatten wohl? Was wächst unter Bäumen? Wer aufmerksam durch die Natur marschiert, bekommt ein gutes Gespür dafür. Die Pflanzlöcher hub ich großzügig aus und reicherte die Erde mit Kompost an. Alle neu gepflanzten Sträucher und Bäume erhielten einen Gießrand.

Erste Erkenntnisse und Zukunft der Hecke

In den kommenden Jahren wird die Hecke nach Osten hin erweitert. Sie wird breiter werden und eine weitere Reihe an Bäumen und Sträuchern ist in Planung. Meine Ideen gehen in Richtung einheimische Wildobstsorten.

Die Beikrautentwicklung ist am Anfang sehr stark. Daher ist eine gute Mulchschicht sehr wichtig. Das Beikraut hatte ich eine ganze Weile aufgrund von Zeitmangel stehen lassen. Bisher haben sich daraus aber keine Nachteile ergeben.

Die alten Pfirsichbäume und Beerensträucher, die vorher auf der Wiese wuchsen, erhielten durch die Heckeneinfassung einen enormen Wachstumsschub. Ich bin mir nicht sicher, ob dies mit mehr Bewässerung oder aber aufgrund des besseren Bodens zustande kam. Sicherlich sind beides Vorteile die das Wachstum anregen, damit gerechnet hatte ich allerdings nicht. Umso erfreulicher sind jetzt im Herbst wesentlich größere Pfirsiche und Bäume mit viel Blattgrün. Auch die alten Beerensträucher sind erheblich gewachsen und hatten mehr Beeren als in den letzten Jahren.

Der Boden in der Hecke ist sehr gut. Noch ist ein kleiner Rest der Grasnarbe und der Gründüngung beim Graben zu erkennen. Darüber und darunter ist die Erde locker und sehr humos. Es finden sich viele Regenwürmer und allerhand anderer Krabbeltierchen darin. Der alte Rasen wächst nicht durch. Wenn sich Rasenpflanzen zeigen, wachsen sie oberhalb in der Mulchschicht oder vom Rand her rein.

Weitere Projekte

Auf einer Wiese, ehemals eine Ackerfläche hinter einer Scheune, vertrocknet jedes Jahr das Gras. Die Sonne brennt hier erbarmungslos alles nieder und die Hitze steht förmlich auf dem Platz. Zeit etwas zu ändern. Im Frühjahr pflanzten wir hier drei Bäume, die in vielen Jahren einmal Schatten spenden sollen. Mit dabei ist ein großer Süßkirschbaum, eine Sauerkirsche und eine Hauspflaume. Damit die jungen Bäume nicht so allein auf der sonnengeplagten Fläche stehen, entwarf ich überdimensionale Baumscheiben. Diese haben einen Durchmesser in etwa der zukünftigen Baumkrone der Bäume. Ich legte sie genauso wie die Permakultur-Hecke aus einer Schicht Gartenabfälle/Gründüngung und Komposterde sowie einer dicken Mulchschicht an. An den Rand pflanzte ich kleine Beerensträucher.

Im Gegensatz zur Hecke sollen hier zukünftig eher Stauden und Blumen wachsen. Ich legte Bereiche für verschiedenfarbige Schafgarbe, Phlox und Indianernessel an. Die Lücken füllte ich in diesem Jahr mit Tomaten, Zucchini, Kürbissen und Mais. Eines der Rondells sollte eine Art Indianerbeet werden. Das Beikraut tat sein übriges, so dass hier kleine Biotope entstanden. Der einzige Nachteil aller drei Rondells ist, die sich massenhaft ausbreitende Ackerwinde. Diese muss ich die kommenden Jahre versuchen in Schach zu halten, sonst wuchert sie mir über alle Pflanzen drüber hinweg.

Im Pflanzwahn

Gerne würde ich weitere Flächen bepflanzen. Einige Ideen schlummern auch schon in meinem Kopf. Es steht immer wieder die Frage im Raum: Wie willst Du das alles schaffen? Die Permakutlur-Hecke hat mir bereits gezeigt, dass ein geringer Einsatz an Mitteln und Arbeitskraft möglich ist, um viel zu erreichen. Auch wenn die Sträucher und Bäume noch sehr klein sind, stellt sich bereits jetzt ein fröhliches miteinander ein. Ich hoffe, dass sich der anfängliche Aufwand im späteren Verlauf aufwiegt. So dass wesentlich mehr Nutzen aus der Hecke gezogen werden kann als Arbeitsleistung hineinfließt.

Permakultur heißt: Ein Ökosystem zu schaffen, welches sich selbst erhalten kann. Dazu ist es wichtig, mit der Natur in Verbindung zu treten, die Gegebenheiten zu nutzen und Vorteile zu erkennen und anzuwenden. Vielfalt hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Vielfalt nährt uns, Vielfalt hält uns, unsere Umwelt und Böden gesund.

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