Überarbeitet im Mai 2026
Eigene Kartoffeln anzubauen ist hier auf dem Land eigentlich nichts Besonderes. Es gibt auch nichts Wohlschmeckenderes als die selbst geernteten Knollen. Während früher große Flächen privat angebaut wurden, schrumpfen diese von Jahr zu Jahr. Aber Warum?

In den Gärten im ländlichen Brandenburg bauen hauptsächlich ältere Generationen Kartoffeln noch selbst an. Aber auch diese Generationen benötigen im Alter weniger, es gibt kaum noch Nutztiere denen Kartoffeln zugefüttert werden und sie schaffen es einfach nicht die großen Flächen allein zu bewirtschaften. Zunehmende Kartoffelkäferinvasionen, Dürre oder zu viel Regen in den letzten Jahren ermutigen nicht ein ganzes Feld zu bestellen. Zudem kann man ja heutzutage alles zu jederzeit kaufen.
Jüngere Generationen kaufen ebenfalls im Supermarkt, pflanzen maximal ein paar Kartoffeln in Hochbeete oder in Pflanzsäcke bzw. besorgen sich bestenfalls eine Gemüsekiste im Abo.
Dabei wäre es so einfach sich mit den Älteren zusammenzuschließen und gemeinsam ein Stück Acker mit Kartoffeln zu bestellen. Der Platz auf den Ländereien wäre da. Der Aufwand kann aufgeteilt werden. Noch gibt es hier und da erfahrene Landfrauen und -männer, die ihr Wissen weitergeben könnten. Wer sich ein bisschen damit beschäftigt, hat am Ende einen ordentlichen Wintervorrat und wird zumindest Kartoffel-Autark.


Privater Kartoffelanbau im Wandel
Wir bauten einst zusammen mit der Vorbesitzerin unseres Hofes Kartoffeln im großen Stil an. Lernten dies und das, hielten uns an Traditionen. Aber auch wir haben unser Kartoffelacker Jahr um Jahr ein wenig verkleinert. Warum? Es sind ähnliche Gründe: Berufstätigkeit, Kinder, viele andere Verpflichtungen. Wir haben nicht unbegrenzt Zeit dem Unkraut hinterherzujagen, stundenlang Kartoffelkäfer abzusammeln und auf Regen zu hoffen.
Seit Anfang der 2020er Jahre befasse ich mich jetzt schon mit Permakultur und stelle verschiedene Bereiche in unserem Leben und den großen Garten um. Es darf wachsen was wächst. Wir ernten reichlich. Unser Kartoffelacker war uns aber lange heilig. Es hatte eine gewisse Tradition:
- Kartoffeln setzen
- Kartoffeln aufpflügen
- Kartoffeln abharken
- Kartoffeln aufpflügen
- ständig Kartoffelkäfer absammeln
- immer wieder Unkraut beseitigen
- die Ernte der Kartoffeln und
- Sortieren der Kartoffeln
- die Einlagerung im Kartoffelkeller
Fast alle Tätigkeiten wurden immer zusammen in der Familie erledigt. Jahr um Jahr das gleiche Spiel.
Als wir im Frühjahr 2022 den Entschluss fasten unseren Acker gar nicht mehr zu pflügen, um den Boden zu schonen und auch hier einen weiteren Schritt in Richtung Permakultur zu gehen, betraten wir Neuland. Noch ging ich davon aus, dass wir wieder etwas weniger Kartoffeln anbauen würden, um mehr Gemüse ernten zu können.

Durch die sich schnell wandelnde Zeit, mit all den Unsicherheiten und scheinbar düsteren Aussichten – sei es klimatisch oder gesellschaftlich – habe ich die Kartoffeln aus unserem Wintervorrat sehr zu schätzen gelernt.
Wie wichtig wird es zukünftig sein, sich selbst versorgen zu können? Bisher schaute ich auf ökologischen Anbau, gesunde Lebensmittel und Vielfalt. Was, wenn Lebensmittel knapper werden, wenn wir wirklich auf uns allein gestellt wären? Wie können wir die Ressourcen Wasser und Strom sparsamer verwenden?
Diese Gedanken brachten mich dazu die Kartoffel wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Die Knolle ist nachhaltig, das ganze Jahr verfügbar, voller Vitalstoffe und macht die Familie satt. Sie kann in einem funktionierenden Kreislauf ohne Mitteleinsatz von außen jedes Jahr angebaut werden. Sicher ist aber auch, der Anbau erfordert Arbeitseinsatz, Ausdauer und Muskelkraft.

Neue Wege gehen: Ausprobieren, Erfahrung sammeln, Lernen
Bisher hatten wir die Kartoffeln mithilfe eines Kartoffelsetzers gesetzt. Mit einem Kartoffelsetzer werden Löcher in die Erde gedrückt. Ein Korb mit Saatkartoffeln in der Hand und schon geht es los: Die Kartoffeln kommen in die Löcher, die dann mit den Füßen zugedrückt werden. Rechts – links, Schritt um Schritt werden so zwei Reihen mit einem Mal bepflanzt. Das geht recht zügig.

Aber zuvor musste ich die Ackerfläche freiräumen. Im Winter wuchsen verschiedene Wintergemüse und Grünkohl auf dem Stück Land. Zudem hatte ich Freiflächen mit Gartenabfällen und Laub gemulcht.
Schon beim Glattharken bemerkte ich, wie locker und feucht die Erde auf den gut gemulchten oder bewachsenen Stellen war. Es gab jede Menge Regenwürmer, die mich optimistisch stimmten. Im Gegensatz dazu ist die Erde auf den Wegen des letzten Jahres hart und trocken. Hier Pflanzlöcher zu buddeln oder zu drücken schien schwer zu werden.
Es hatte lange nicht geregnet und es war auch kein Regen in Sicht. Die Erde trocknete auf den freigeräumten Flächen schnell aus.
Zeit die Kartoffeln zu setzen.
Wir versuchten Löcher mit dem Kartoffelsetzer in den Boden zu bekommen. Aber keine Chance, die Löcher vielen entweder sofort wieder zu oder der Kartoffelsetzer kam an den Stellen wo Wege waren erst gar nicht tief genug rein. Da wir dies schon befürchtet hatten, gingen wir zu Plan B über.
Wir holten den Handpflug. Damit wollten wir Reihen ziehen, in die wir die Kartoffeln legen konnten. Hört sich erst einmal einfach an. War es dann aber doch nicht. Wie schwierig ist es, gerade Reihen zu ziehen? Der Pflug glitt mal tief mal gar nicht ins Erdreich. Bei festen Erdstücken brach er nach links oder rechts aus.
Im Stillen dachten wir beide, was für ein Mist. Mit einem gepflügten Acker, so wie wir es immer gemacht hatten, wäre uns die Schinderei erspart geblieben. Ob das alles so richtig ist? Ob es das wert ist? Wir zogen unsere Reihen fertig, schwitzten und legten die Kartoffeln.
Anschließend pflügten wir die Reihen gleich zu. Das gestaltete sich ähnlich kräftezehrend. Im Nachgang hatte ich überlegt, wäre es einfacher gewesen, die Reihen einfach zuzuharken und nach dem Aufgehen der Pflanzen aufzupflügen. Egal, die Knollen waren in der Erde. Geschafft!
Das war im Jahr 2022. Heute sieht unser Kartoffelanbau ganz anders aus. Dazu weiter unten mehr.



Meine Gedanken kreisten jedoch gleich weiter. Eigentlich müsste ich die Reihen ordentlich mulchen, um die Beikrautentwicklung zu minimieren. Da die Fläche doch recht groß ist, scheint es unmöglich so viel Mulch auf einmal aufzutreiben. Trotzdem begann ich bereits zu mulchen und werde zumindest einen Teil des Kartoffelackers mit Grünkraut abdecken. Testweise.
Zudem kann ich mir vorstellen, dass die Pflanzen nicht hundertprozentig in einer Reihe aufgehen werden. Das macht ein weiteres Aufpflügen schwierig. Manuelles Anhäufeln könnte nötig werden. Auch das Mulchmaterial ist beim Aufpflügen sicherlich hinderlich.
Mein Ziel bleibt es dennoch die Erde irgendwie zu bedecken. Zum einen um Nährstoffe dem Boden, den Lebewesen und damit den Pflanzen zu geben und zum anderen um Feuchtigkeit im Boden zu halten. Denn je kräftiger die Pflanzen wachsen, desto weniger werden sie anfällig für Krankheiten und starkem Kartoffelkäfer-Befall.

Des Weiteren werde ich zwischen die Kartoffeln verschiedene andere Pflanzen kultivieren. Erbsen zum Beispiel. Erbsen speichern wie alle Hülsenfrüchte (Leguminosen) Stickstoff an ihren Wurzeln und geben diesen dort später an den Boden ab. Das führt zu besseren Böden. Zudem sollen Kartoffelkäfer keine Erbsen mögen. Ähnliches gilt für Ackerbohnen. Ebenso denke ich an Ringelblumen und Grüne Bohnen. Zur Stärkung der Pflanzen gibt es Brennnesseljauche.
Fakt ist, der Boden muss mit organischen Materialien aufgebaut werden. Kommendes Jahr wird die jetzige Gemüsefläche mit Kartoffeln bepflanzt. Ich muss mir jetzt schon überlegen, wie ich den Boden füttere und locker halte. Gründünger, viel Mulchmaterial und Mischkultur sind Möglichkeiten.
Verkleinere ich Wege? Brauch ich überhaupt Wege? Sie nehmen ja eh nur kostbaren Platz weg und verhärten den Boden. Mir fällt auf, dass die älteren Gartennachbarn keine sichtbaren Wege anlegen. Ich erinnere mich, unsere Vorbesitzerin hatte auch kaum Wege auf ihrem Acker.
So viele neue Ideen, so viele neue Erfahrungen und doch braucht es das alte Wissen um weiterzugehen. Nur die Kombination aus altbewährtem und neuem Wissen kann uns durch diese unsicheren Zeiten tragen.
Das waren Überlegungen aus 2022, die mich auf meinen Weg brachten. Es ist in der Permakultur wichtig genau zu beobachten und daraus seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Manch ein Weg führt auch nicht direkt zum Ziel. Es gibt Umwege, Hindernisse und Rückschläge. Aber jeder Weg hat seinen eigenen Sinn.

Kartoffelanbau in Mischkultur – Stand 2026
Wir schreiben 2026 uns es sind 5 Jahre ins Land gegangen, seit wir das letzte Mal Mist aufgebracht und unseren Acker gepflügt haben. Kartoffeln baue ich jetzt in überschaubaren Parzellen an. Das sind meist 3 oder 6 Reihen gefolgt von Gemüsebeeten und Blumen. Unsere Kartoffelreihen führen nicht mehr der Länge nach über´s Acker, sondern verlaufen quer. Das sind lediglich ca. 8-10 Meter.
Der Boden ist durch reichliche Mulchschichten locker und voller Leben. Die kleineren Flächen ermöglichen es mir, die Kartoffeln Satzweise anzubauen. Die ersten Knollen gehen Anfang Mai in die Erde. Nach und nach folgen die weiteren Parzellen. Das hat den Vorteil, dass die Arbeitsintensität über die Saison abnimmt. Jede Parzelle hat einen anderen Entwicklungsstand.

Die Kartoffeln setze ich wieder mit dem Kartoffelsetzer. Das ist altbewährt und funktioniert sehr gut. Danach werden die Reihen gleich aufgepflügt. Das ist mit dem Handpflug zwar etwas umständlich, da es doch sehr kleine Flächen sind. Aber es ist machbar. Zudem harke ich die Hügel nach und mulche sie direkt. So ist jede Kartoffelreihe gleich bedeckt.

Im Laufe der Zeit kommt weiteres Mulchmaterial auf die Erdhügel. Wenn die Pflanzen aufgehen, beginnt die Zeit der Kartoffelkäfer. Die erste Zeit ist entscheidend. Kartoffelkäfer werden eingesammelt und Blätter auf Larven und Kartoffelkäfer-Eier untersucht.

Da ich Satzweise anbaue, ist der Zeitaufwand und der spätere Befall durch Kartoffelkäfer oder Braunfäule viel geringer als in früheren Jahren. Auch das Ernten kann entspannt nach und nach erfolgen. Ich ernte die Kartoffeln per Hand mit einer traditionellen Kartoffelhacke.
So kam ich 2024 und 2025 mit einer kleineren Anbaufläche, ca. 2/3 der früheren Fläche, auf einen gleichhohen Ernteertrag.

Der Weg ist aber noch nicht bis zum Ende gegangen. Er wird mich weiter führen, es wird weitere Herausforderungen und neue Ideen geben.
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