Es ist immer schwer
sich in neuen Situationen zurecht zu finden. Aktuell muss sich jeder
von uns in eine neue Rolle begeben. Vergessen sind Frühjahrskuren,
Fasten und Detox. Vergessen sind die vielen Vorsätze zum
Jahresbeginn. Die Erde steht Kopf, jedenfalls in unseren Köpfen.
Um da wieder
herauszufinden, hilft nichts besseres als in die Natur zu gehen. Die
Natur steht nicht Kopf. Im Gegenteil, sie ist präsent und hält
viele kleine und große Überraschungen bereit. Die Ruhe, die uns
derzeit umgibt, lässt uns viele kleine Dinge wahrnehmen. Ich hab
beispielsweise schon lange kein Flugzeug am Himmel gesehen. Der
Himmel ist so klar und ruhig, abgesehen von den krächzenden
Wildgänsen.
Wie beständig die
Natur ihrem Rhythmus folgt! Wie viel Kraft im Boden und den Pflanzen
schlummert. Wie die Tiere jetzt im Frühling erwachen und ihren
Bedürfnissen nachgehen.
Wir sollten diese
besondere Zeit nutzen. Innehalten und für sich selber sorgen, dass
ist gerade mein Motto. Keiner weiß wohin die wirtschaftliche und
gesellschaftliche Reise geht. Ich denke, dass es in diesem Jahr nicht
nur zu Engpässen beim Toilettenpapier kommen wird. Beispielsweise
wird die Lebensmittelindustrie nicht mehr die sein, die wir kannten.
Die Überproduktionen und Angebotsschwemme zu Billigpreisen wird es
nicht geben. Gerade Gemüse und Obst wird teurer werden, da
Erntehelfer fehlen oder Gemüse im großen Stil gar nicht erst
angebaut werden kann. Schwarzmalerei? Wer weiß.
Ich bin jedenfalls
froh ein Stückchen Land zu haben, um meinen Gemüse- und Obst-Bedarf
selber decken zu können. Ich denke sogar darüber nach, für
Familie, Freunde und Bekannte mehr Lebensmittel anzubauen. Nicht
jeder hat einen Garten hinter der Tür.
Aus diesem Grund bin
ich immer noch in der Planungsphase. Welche Pflanzen müssen
vorgezogen werden? Was wächst schnell. Welche Gemüsesorten können
im Winter eingelagert werden? Es wird ein spannendes Gartenjahr.
Packen wir es an.
Wenn der Frost jetzt erst einmal eine Pause macht, kommen die Steckzwiebeln in die Erde. Ich werde Radieschen und Spinat aussäen, Rukola und Kresse dürfen auch ins Beet. Wahrscheinlich bauen wir das Folienzelt eher auf, damit ich einige Pflanzen vorziehen kann. Dann wird es bald Salat und Kohlrabi geben. Die Erbsen und Zuckerschoten dürfen ab April schon in die Erde. Auch Rote Bete– und Möhren-Samen gehören dann in die Erde. Wie wäre es mit Mairübchen?
Kartoffelkäfer können ganz schön flink sein und auch wegfliegen.
Bei den ersten Sonnenstrahlen krabbeln die kleinen Käfer aus
der Erde. Manchmal schon bevor überhaupt die erste Kartoffelpflanze wächst. Mit
der Zeit werden es dann immer mehr und inzwischen kann ich stündlich durch
meine Kartoffeln streifen und finde immer noch neue Käfer.
Wie einst die Alten, laufe ich in gebückter Haltung, mit Strohhut auf dem Kopf und Eimer in der Hand durch die Kartoffelreihen. Noch sind die Kartoffelpflanzen so klein, dass sie kaum Schatten auf die Erde werfen. Bei vorsommerlicher Hitze wird die Erde glühend heiß, sodass ich entweder immer schneller barfuß durch die Reihen flitze oder mir doch lieber vorher meine Schuhe hole. Die kleinen Käfer landen dann barbarisch in einem Eimer mit Wasser, sodass sie nicht wieder herauskrabbeln oder wegfliegen können.
Kartoffelkäfer lassen sich fallen sowie sie eine Erschüttering spüren und stellen sich tot bzw. graben sich in Sand ein.
Leider haben Kartoffelkäfer keine natürlichen Feinde, außer mich und meine Nachbarn. Es gibt so viele Kartoffelkäfer, dass ich einzelne zwischen meinen Fingern zerquetsche, um nicht schon wieder zum Eimer mit den anderen Kartoffelkäfern laufen zu müssen. Eigentlich bin ich sehr friedfertig und sämtliches Krabbelgetier darf auch in meiner Nähe weiterleben. Aber wohin mit den vielen gestreiften Käfern? Wer weiß, wie weit sie fliegen? Wer weiß, welchen Schaden sie woanders anrichten. Tomaten beispielsweise fressen Sie gerne komplett kahl, wenn keine Kartoffelpflanze in der Nähe ist. Auch habe ich schon Kartoffelkäfereier auf Borretsch und anderen Pflanzen gesehen.
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Viele raten mir ein Gift einzusetzen und die Kartoffeln
damit zu besprühen. „Es gibt auch Biologisches zu kaufen.“ Gifte und Insektizide
lehne ich strikt ab. Es gibt kein Gift, welches nur die Kartoffelkäfer schädigt
und alles andere unbeschadet hinterlässt. Also sammle ich weiter meine
Kartoffelkäfer.
Die ersten Eier legen Kartoffelkäfer auf die unteren Blätter der Pflanze
Kartoffelkäfer sind bei Sonnenschein recht aktive Tierchen. Meist sitzen schon zwei gepaart auf einer Pflanze. Neben den Käfern müssen auch die Eier und Larven abgesammelt werden. Die Larven richten den größten Schaden an. Ein Gelege mit Eiern und später Larven kann eine komplette Kartoffelpflanze leer futtern. Die orangefarbenen Eier der Kartoffelkäfer befinden sich an den unteren Blättern auf der Blattunterseite. Sobald die Larven schlüpfen, fangen sie an zu fressen. Die Winzlinge sitzen in den Triebspitzen, geschützt zwischen den Blatttrieben.
Kartoffelkäferlarven sitzen meist geschützt in den Triebspitzen oder Blattachsen
Wenn im weiteren Verlauf des Sommers immer mehr hungrige Larven auf den Pflanzen in orange-roten Tupfen schon aus der Ferne erkennbar sind, werden die Larven in eine Schüssel oder Eimer abgeschüttelt. Dies ist dann effektiver. Wobei dann eigentlich schon nichts mehr effektiv ist, sondern nur noch versucht wird, den Schaden kleiner ausfallen zu lassen. Dabei kommt der befallene Teil der Pflanze in den Eimer mit ein wenig Wasser und wird kräftig geschüttelt. Die meisten Larven fallen dann hinein und plumpsen ins Wasser, wo sie nicht wieder hinauskommen.
Hoffen wir, dass es in diesem Jahr nicht wieder so schlimm wird. Das beste Mittel ist, frühzeitig alle Käfer absammeln, immer wieder und wieder und dann noch einmal … und dann wieder von vorn. 🙂
In diesem Jahr gibt es jede Menge Blattläuse. Warum? Klimawandel, ein zu milder Winter? Blattläuse und andere Insekten, die von uns Ungeziefer genannt werden, kommen immer Mal wieder in großen Mengen vor. Sicherlich gibt es dafür Gründe. Meist liegt ein Ungleichgewicht in der Natur vor. Gute Wachstumsbedingungen und wenig Fressfeinde, würde ich als eines der Hauptgründe nennen.
Wichtig ist, entspannt bleiben. Klar Blattläuse sind ärgerlich. Ganze Pflanzengruppen werden besiedelt und haben es schwer dagegen anzukämpfen. Es sieht verdammt noch einmal unschön aus und verdirbt einem den Appetit an dem heranwachsenden Gemüse.
Dennoch, jegliche Insektengifte lehne ich ab. Erst einmal warte ich ab und beobachte das Geschehen. Marienkäfer fressen Blattläuse. Seit ich diese kleinen Tierchen auch in guter Stückzahl im Garten sehe, bleibe ich locker. Stark befallene Triebspitzen können abgeschnitten und entsorgt werden. Zur Stärkung der Pflanze gibt es Brennnesseljauche (benötigt 2-3 Wochen Zeit). Diese kann 1:10 verdünnt auf die Pflanzen gesprüht oder als Gießwasser verwendet werden. Eine Abkochung aus Brennnesseln (starker Tee) kann schnellere Hilfe leisten. Theoretisch können die Läuse auch abgesammelt werden, dies wäre in diesem Jahr allerdings eine Lebensaufgabe.
spät gesäte Puffbohnen
zeitig gesäte Puffbohnen
Puffbohnen in Mischkultur
Manchmal bestimmen aber auch der richtige Anbau und die Pflege der Pflanzen, wie viele Blattläuse in Erscheinung treten. Bei den Puffbohnen beispielsweise ist entscheidend wann diese ausgesät werden. Ich hatte ein Beet mit Puffbohnen bereits Anfang März angelegt. Dieses ist minimal von Läusen befallen. Ein zweites folgte 3-4 Wochen später. Obwohl ich wusste, dass diese Pflanzen dann mit Läusen besiedelt werden, bin ich nach wir vor optimistisch. Es sieht zwar aktuell ziemlich übel aus, aber die Marienkäfer fressen munter. Ich werde die Pflanzen mit Brennnesseljauche gießen und abwarten. Meist bleiben ein paar Läuse bis die Bohnen ausreifen. Da nur die Kerne in den Hülsen Verwendung finden, gibt es nur minimale Ernteausfälle.
Was noch hilft ist eine Mischkultur. Diese ist zwar aufwendiger, aber im Falle von Schädlingsbefall die ökologischste Variante. Mischkultur bedeutet, dass verschiedene Pflanzen sich ein Beet teilen. Quasi alles durcheinander wächst. Auf meinem Hügelbeet wachsen beispielsweise auch Puffbohnen zwischen anderen Gemüse- und Kräuterpflanzen. Diese Puffbohnen blühen auch und sind noch nicht von Läusen befallen. Gleiches gilt übrigens auch für die Kohlraupen, die im Spätsommer Einzug halten.
Oft liest
man, dass Erdbeerpflanzen mit Stroh gemulcht werden sollten. Es würde gegen
Fäulnis und sandige Erdbeeren helfen. Ich selbst wehrte mich lange dagegen.
Einmal hatte ich es probiert, fand es aber total hinderlich beim Sauberhalten
der Erdbeerbeete. Zudem sah es nicht besonders schön aus.
Nun ja, die
Zeiten und die eigene Einstellung ändern sich. Aufgrund des letzten heißen
Sommers und der aktuell schon wieder sehr trockenen Bodenverhältnisse kam ich
zu dem Entschluss mehr zu Mulchen. In einem Buch von Masanobu
Fukuoka über Permakultur las ich viel darüber, den Boden nicht „nackt“ liegen
zu lassen. Schon im letzten Sommer ließ ich das Beikraut in den Erdbeerbeeten
stehen, um die Erdbeerpflanzen vor der Austrocknung zu schützen. Zwar haben
fast alle Erdbeerpflanzen überlebt, dennoch sehen sie noch sehr klein aus.
Nachdem ich die Erdbeerreihen im zeitigen Frühjahr gejätet und ordentlich Kompost zugegeben hatte, überlegte ich, wie ich zu reichlich Mulchmaterial komme. Grünkraut wuchs noch nicht in den Mengen, wie ich benötigen würde. Ich erinnerte mich an das Reisstroh aus dem Buch „Der große Weg hat kein Tor“ von Masanobu Fukuoka und daran, dass wir eine große alte Scheune hatten. „Haben wir eigentlich noch altes Stroh“ fragte ich meinen Mann beiläufig. „Bestimmt“ meinte dieser und wollte wissen wozu ich dieses bräuchte. Er brachte mir ein großes Bund und meinte, es wären noch ein paar Bunde oben in der Scheune.
Da stand ich nun. Meine Erdbeeren, ein Bund Stroh, welches über 20 Jahre auf dem Scheunenboden lag und ich. Ehrfürchtig band ich die Strippe los und zupfte das Stroh aus einer längst vergangenen Zeit auseinander. Es war einwandfrei. Also gut. Ich war bereit für einen weiteren Versuch. Zwei Erdbeerbeete bedeckte ich mit dem Stroh. Es reichte außerdem für ein Beet frisch gepflanzter Himbeeren und das Beet mit den Puffbohnen, die schon 10cm aus der Erde ragten. Es sieht gar nicht so schlimm aus, wie ich dachte.
Ich bin gespannt, wie das mit dem Beikraut wird. Die Feuchtigkeit des Bodens ist schon jetzt deutlich besser als auf den Beeten ohne Mulchmaterial. Ob es gegen Hitze und Trockenheit hilft, wird dieser Sommer zeigen. Ich habe bereits jetzt angefangen, andere Beete mit Grünkraut zu Mulchen. Gründünger ist an Beeträndern ausgesät.
Buchlink aus dem Beitrag: „Der große Weg hat kein Tor“ von Masanobu Fukuoka (Weiterleitung zu Amazon)
Derart ungläubige
Fragen bekomme ich im zeitigen Frühjahr oft. Wer einen Garten sein
Eigen nennt, kann es kaum erwarten, endlich loslegen zu dürfen. „Ein
wenig.“ antworte ich meist, um niemanden zu verschrecken. Denn wen
es in den Fingern juckt, der hat schon längst zur Samentüte
gegriffen.
Im Frühbeet,
Gewächshaus oder einem Folienzelt ist es eher möglich nicht nur
Aussaaten vorzunehmen, sondern auch erste kleine Pflanzen in die Erde
zu setzen. Für den Gemüseanbau im Freiland gilt, der Boden muss
abgetrocknet sein und es sollte nicht mehr vor Kälte in den Fingern
zwicken.
Es gibt Gemüsesamen, die dürfen schon zeitig in die Erde. Puffbohnen, Spinat, Rübstiel oder Stielmus frühe Möhren, Rucola, Radieschen, Schwarzwurzeln und Petersilie beispielsweise können je nach Witterung Ende Februar in vorbereitete Beete gesät werden.
Pflücksalat im Frühbeet Anfang März
Ab Mitte März ist
es dann auch für Pflücksalate und Zwiebeln soweit. Zum Schutz vor
kalten Nächten, lege ich ein Vlies über die Aussaaten.
Kleine Gemüsepflänzchen ziehe ich im Frühbeet vor. Das sind beispielsweise Kohlrabi- und Kopfsalatpflanzen.
Genug oder? Also
warme Gartenstiefel, Winterjacke und Mütze angezogen und raus mit
Euch! Den Pflanzen ist es weder zu windig noch zu kalt. Was sie
wollen ist vor allem Licht und das gibt es jetzt jeden Tag ein
bisschen mehr.
Die ländliche beziehungsweise dörfliche Idylle kann mitunter erbarmungslos sein. Zum einen musste ich mir oft abfällige Bemerkungen über mein Hügelbeet gefallen lassen: „Wen hast du denn hier begraben?“ „Was wird das denn wenn´s fertig ist?“ „Was wird das, ein begrünter Komposthaufen?“ „Du und deine Experimente!“ Zum anderen hat mir das heiße und warme Wetter in der letzten Saison so manch fetten Strich durch die Rechnung gemacht.
Im zeitigen Frühjahr ging es ganz gut los. Spinat- und Radieschen-Samen, die ich im Januar gesät hatte, gingen tatsächlich trotz langer Frostperioden auf. Auch der Schnittlauch, Pfefferminze und die Stiefmütterchen entwickelten sich erst einmal gut. Ich hatte Margeriten verpflanzt, welche im ersten Halbjahr gut anwuchsen und blühten.
Leider wurde es bereits im Frühling teilweise schon ziemlich trocken und warm. Die Erde auf dem Hügelbeet konnte die wenige Feuchtigkeit nicht ausreichend speichern. Mulchen wäre hier eine Option gewesen, die ich leider nicht wahrgenommen hatte. Die Pflanzen wuchsen schlechter als ich es mir vorstellte. Am Ende waren die Pflanzen auf dem Acker kräftiger als auf dem Hügelbeet. Zu dieser Zeit, sind wir nur am Wochenende im Garten gewesen und hatten auch nicht die Möglichkeit unter der Woche zur Gießkanne zu greifen.
So gab ich im Sommer das Hügelbeet ganz auf. Die Hitze und die direkte Sonneneinstrahlung ohne Schatten, machten es jedem Pflänzchen schwer. Das Gießwasser perlte ab und konnte gar nicht aufgenommen werden. Bewässerung führte nur dazu, dass das Wasser samt Erde den Hügel hinunterlief. Ich hatte Salate, Kohlrabi, Gurken und Kürbisse gepflanzt, welche nicht überlebten. Einzig eine Tomatenpflanze, eine Fenchelstaude, Petersilie und Löwenmäulchen wuchsen recht gut. Selbst die Pfefferminze und ein Bergthymian hielten die Hitze nicht aus.
Im Sommer zogen wir komplett auf unseren Bauernhof. Die vielen Arbeiten in dem neuen Wohnhaus und dem bevorstehenden Umzug ließen so manches im Garten unbearbeitet. Jedoch konnte ich von nun an auch unter der Woche den Pflanzen etwas Wasser geben. Dies zahlte sich aus. Das Hügelbeet blühte regelrecht auf. Ich pflanzte Herbst- und Wintergemüse an und freute mich über das entstehende satte Grün.
Dank Bewässerung ergrünt das Hügelbeet im Herbst
Jetzt im Januar stehen immer noch meine gepflanzten Kräuter, Mangold und verschiedene Kohlsorten auf dem Hügelbeet. Während unser Acker gepflügt Winterruhe hält, kann ich hier, so wie es frostfrei ist, immer mal wieder etwas Grünes pflücken gehen. Somit habe ich mein erstes Ziel erreicht. Ein Hügelbeet für die Nebensaison.
Bereits im Herbst legte ich ein zweites Hügelbeet direkt daneben an. Mit Freude begrüße ich nun jeden Maulwurfshügel auf unserer Streuobstwiese, der mir frische Erde für das zweite Beet zur Abdeckung bietet. Ich plane weitere Hügelbeete, die ich im Sinne der Permakultur bearbeiten werde. Hier soll alles wachsen, wie es kommt. Bunt durcheinander, Blumen, Gemüse, Kräuter und vor allem Erdbeeren. Denn mit Erdbeeren hatte ich bisher auch noch nicht allzu viel Glück.
Für die
Sommermonate werde ich ein Mulchsystem entwickeln, welches die Feuchtigkeit im
Boden hält und den Nährstoffgehalt der Beete optimiert.
Das Löwenmäulchen auf dem Hügelbeet blüht bis in den Spätherbst hinein.
Kreativität ist mein Lebenselixier . Ich freue mich auf die neue Saison.
Der Sommer 2018 war vor allem lang und heiß. Viele Pflanzen litten und leiden unter der sengenden Sonne. Besonders die Sträucher und Bäume, die nicht ständig bewässert werden konnten, kämpften diesen Sommer ums Überleben. Wer einen Garten zu bewässern hat, musste sich gut überlegen an welchen Stellen das notwenige Wasser fließen durfte.
Vor unserem Grundstück führt der Gurkenradweg, ein Radwanderweg durch den Spreewald. Viele Radfahrer fahren hier unermüdlich, teilweise mit E-Bikes vorbei. Oft hört man die Radfahrer laut erzählen. Letztes Wochenende kamen eine Frau und ein Mann vorbei. Lauthals verkündete die Frau abwertend auf ihrem schnellen E-Bike: „Schau dir das an, selbst wenn es nicht so trocken wäre, hier sieht es aus, als ob die Leute vor ihren Häusern alles nur umgepflügt hätten.“ Ich war entsetzt. Unsere Straße hat einen breiten Rasenstreifen. Alle Anwohner achten darauf, dass dieser gemäht und im Herbst vom Laub befreit wird. Klar, in diesem Sommer brauchte hier kaum gemäht werden. Das jetzt alles verbrannt und der Rasen fast bis zur Unkenntlichkeit vergangen ist, liegt am Dürre-Sommer 2018. Sicherlich könnte man hier ohne Ende den Rasensprenger laufen lassen. Wie schon gesagt, in diesem Sommer war es wichtig gezielt zu wässern. Wasser steht uns nicht unbegrenzt zur Verfügung.
Unser Kartoffelacker beispielsweise wurde in diesem Sommer nur zu Beginn teilweise bewässert. Irgendwann waren die Pflanzen allein durch die Dauerhitze und die intensive Sonnenbestrahlung einfach abgetrocknet. Da half dann auch keine Bewässerung mehr.
Letztes Wochenende war es Zeit, die Knollen aus der Erde zu holen. Schon beim Abräumen des Ackers wurde klar. Es ist nicht nur ein schlechtes sondern ein sehr schlechtes Kartoffeljahr.
Mit einem Traktor und Kartoffelroder sollten die kleinen Knollen aus dem harten Boden gepflügt werden. Aber alles was wir aufwühlten war hauptsächlich eine Menge Staub. Kleine Knollen flogen aus dem aufgewirbelten Erdreich und wurden zugleich von demselben wieder bedeckt. So etwas hatten wir noch nicht erlebt. Am Ende lagen genauso viele Kartoffeln in den Körben, wie wir zu Beginn der Saison in die Erde gelegt hatten. Gut, dass wir als Hobbygärtner nicht darauf angewiesen sind, also keinen Hunger leiden müssen.
Wie mag es da der Landwirtschaft gehen. Es können nicht alle Felder und Äcker bewässert werden. Schon gar nicht über einen so langen Zeitraum. Wieder einmal mehr wird ersichtlich, wie wichtig das Klima für das Öko- und Wirtschaftssystem ist. Dass wir selbst unmittelbar betroffen sind, sehen die meisten von uns erst an steigenden Lebensmittel-Preisen. Die Ausbeutung der Ressourcen, der Überfluss in den Supermärkten, die Quittung dafür kommt bestimmt. In diesem Sommer konnten wir ein wenig davon am eigenen Leib spüren.
Zum Vergleich unsere Kartoffelernte 2017 (Bild unten):
In 2018 hatten wir nur 1 1/2 Kartoffelstiegen voll mit kleinen Kartöffelchen.
Wer sich in seinem Garten verlieren kann, also Raum und Zeit völlig ausblendet und eintaucht in die Vielfalt des Lebens, dem ist auch jedes kleinste Samenkorn wichtig. Sicherlich gibt es die guten und die weniger guten Samenkörner. Hochgewachsenes Unkraut verteilt beispielsweise Millionen Samenkörnchen, die schnell keimen und noch schneller heranwachsen.
verblühte Zinnie
In meinem Garten wachsen jede Menge Kräuter- Blumen- und Gemüse-Sorten. Viele davon lasse ich blühen und abtrocknen, um die Samen zu ernten. Es gibt Pflanzen, die samen sich jedes Jahr von allein aus. Diese Samen ernte ich nicht. Hier entscheidet der Zufall, wo sie im kommenden Jahr wieder wachsen dürfen. Dill und Boretsch dürfen demnach erst vom Acker, wenn die Samen ausgefallen sind. Andere Samen ernte ich derzeit von Woche zu Woche.
Blütenstand Salat
Einfach gelingt dies mit Salatsamen. Es bleiben immer Pflanzen drüber, die nicht vollständig abgeerntet werden. Schnitt- und Kopfsalate dürfen dann weiterwachsen. Meistens bildet sich eine über einen Meter hohe Blütenpracht, in der unzählige Insekten Nahrung finden. Danach dauert es noch eine ganze Weile, bis die kleinen Samenkapseln ausgetrocknet sind. Das sieht für Außenstehende nicht immer schön aus. Bemerkungen wie „Was wächst den hier?“ oder „Was züchtest du denn?“ deuten auf Unverständnis. Ich jedoch warte bis die kleinen Pappus-Haare, ähnlich wie die Löwenzahnschirmchen, voll ausgewachsen sind. Erst danach, eigentlich wenn die Schirmchen schon abgefallen sind, kann die kleine Kapsel mit den Samenkörnchen geerntet werden. Wichtig ist, dass an einem trockenen Tag geerntet wird, meist um die Mittagszeit.
Salat-Samen mit den Resten der Samenkapselausgepustete Salat-Samen
Weitere Gemüsepflanzen von denen sich leicht Samen ernten lassen sind:
Im 1. Wachstumsjahr
Radieschen
Bohnen, Erbsen und andere Hülsenfrüchte
Salate
Spinat
Mangold (Frühjahrsanbau)
Dill
Brokkoli
Tomaten
Gurken
Fenchelknollen
Im 2. Wachstumsjahr
Grünkohl
Kohlrabi
Petersilie
Mangold (Herbstanbau)
Wurzelgemüse wie Möhren und andere Rübenarten
Sicherlich gibt es noch viel mehr Gemüsesorten, deren Samen sich ernten lassen. Die Frage ist immer, habe ich eine Lieblingssorte? Ist diese Samenfest? Habe ich den Platz zum Trocknen und Aufbewahren?
Cosmea-Samen
Bei meinen Lieblingsblumen sammle ich jedes Jahr Samen für die kommende Saison. Dies ist eine sehr meditative Tätigkeit. Meist stehe ich umringt von blühenden Beeten und zupfe die verblühten Blüten aus. Es summt und brummt um mich herum. Der Gedankenfluss im Kopf wird stiller. In diesen Momenten bin ich eins mit meinem Pflanzen, der Sonne, dem Wind, den Insekten und Vögeln und denke an rein gar nichts.
Zum Sammeln verwende ich eine flache Schüssel. Die kleinen Kraftpakete stecken meist in den vertrockneten Blütenköpfen. Diese zerbrösele ich vorsichtig in der Schüssel. Die Samen und die vertrockneten Blütenreste fallen auseinander. Ist die Schüssel weniger als halbgefüllt, schwenke ich diese und puste leicht hinein. Dabei fliegen alle leichteren Blütenreste raus, bis schließlich nur noch die Samen übrig bleiben.
Damit es so gepflegt aussieht, muss ich mich ganz schön ranhalten. Bin ich hinten fertig, kann ich vorn wieder anfangen. 😄 Gut das mir das nichts ausmacht. Hier seht ihr Buschbohnen, ein Blumenbeet mit Zinnien und Cosmea, dahinter kommen verschiedene Kohlsorten. Im Hintergrund stehen Sonnenblumen und hinten angrenzend wachsen die Kartoffeln.
Die sommerlichen Temperaturen bedingen eine regelmäßige Bewässerung. Am zeitsparendsten sind Gartensprenger, die nach getaner Arbeit zum Einsatz kommen. Der Nachteil besteht darin, dass es überall gleichfeucht ist und das Bei(Un)kraut sich überall munter entfalten kann. Also nicht nur auf den Beeten sondern auch auf den Wegen, an den Beet-Rändern und besonders dort, wo neue Pflanzen ausgesät werden. Dabei ist das Bei(Un)kraut besonders schnell und zeigt sich rasch in seiner vollständigen Herrlichkeit. Bei mir hat alles seine Daseinsberechtigung. Ich ärgere mich zwar auch hin und wieder über die Masse an Grün, welches da unkontrolliert wächst. Allerdings sehe ich auch, dass es viele Tiere gibt, die davon profitieren. Unzählige Käfer, Spinnen und andere Krabbeltiere, Regenwürmer, Mäuse und Kröten fühlen sich hier wohl.
Ich bin dazu übergegangen viele Nutz-Pflanzen nach dem Abernten weiter wachsen zu lassen. Zumindest bis zur Blüte. Die Schmetterlinge, Hummeln und Bienen sowie Wildbienen freut es.
Hier seht Ihr meinen Dill, der gerade alles in den Schatten stellt. Der Dill sät sich jedes Jahr neu aus. In diesem Jahr wächst er besonders üppig. Ich verwende die Dillblätter für Salate, Soßen und Marinaden. Meist lege ich mir einen großen Vorrat im Tiefkühlschrank an.
Das jähe Warten hat ein Ende wenn die Temperaturen steigen und die Natur geradezu explodiert. Kaum blühen die Forsythien, blühen auch schon die ersten Obststräucher, blühen die wilden Pflaumen und später die Steinobstbäume im Garten. Die Birnbäume reihen sich ein und schon sind die Apfelbäume dran. Jetzt, wo alles grünt und blüht, wird die Arbeit im Garten plötzlich unüberschaubar. Hier und dort wächst bereits das (Un)kraut. Die Samen müssen in die Erde, Pflanzen wollen vorgezogen werden (sein). Alles scheint auf einmal wichtig und es ist wahnsinnig schwer eine Prioritätenliste zu erstellen. Ja genau, Prioritäten sind zumindest für die „Moonshinefarmer“, die „Wochenendgärtner“ ziemlich wichtig. Sonst kann der liebgewonnene Garten schnell zur Belastung werden. Jeder sollte sich überlegen: Was ist mir wichtig? Wie viel Zeit und Energie möchte ich einbringen? Was kann ich ernten und verarbeiten? Anhand dieser Fragen sollte ein grober Plan erstellt werden.
Ich stelle mir immer wieder diese Fragen und optimiere meine Arbeitseinsätze so gut es geht. Keiner sollte im Garten sein eigener Sklave werden. Ich bestelle meinen Garten weil es mir Spaß macht. Ich habe Freude daran, etwas zu kreieren und zu planen. Dabei erhole ich mich vom Arbeitsalltag und finde meinen Ausgleich. Zudem vertiefe ich meine Erfahrungen und gebe sie gerne weiter. Ich möchte das Wissen, was ich von älteren Generationen gelernt habe neu entdecken und weiterführen. Nebenbei produziere ich für eine 4-köpfige Familie, Verwandte und Freunde jede Menge Gemüse und Obst in Bioqualität.
Und aus diesen ganzen Zielen heraus stellten wir auch in diesem Jahr wieder das alte Folienzelt auf. Es besteht aus 5 Metallbügeln, einer selbstgebauten Tür, Holzleisten, Nägeln und einer alten Folie. Viele Jahre mussten wir das Aufstellen erlernen. Von der Vorbereitung bis zu den einzelnen Handgriffen und Tricks wurde uns der Aufbau geduldig beigebracht. Abweichungen in der Vorgehensweise waren strengstens verboten. Jetzt, da wir dieses Zelt schon viele Jahre allein aufbauen, folgen wir immer noch diesen Regeln. Aber warum? Warum kaufen wir uns nicht einfach ein neues, modernes Zelt? Wie wäre es mit einem Gewächshaus? Brauchen wir wirklich so ein Zelt?
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Ich kaufte vor 5 Jahren mein erstes Tomatenzelt. Es hielt nicht lang. Ich kaufte ein großes Tomatenzelt und es hält wahrscheinlich auch nicht länger als 3-4 Jahre. Die starke Sonneneinstrahlung, die Stürme und Unwetter der letzten Jahre setzen den neuen Materialien sehr zu. Zudem lassen sich die neuen Zelte nicht richtig schließen. Sie sind nicht so frostsicher wie unser altes Folienzelt. Auch hält das alte Folienzelt jedem Unwetter stand. Generation um Generation hat sich mit dem Aufbau dieser Art Folienzelte beschäftigt und sie optimiert. Das Bewährte wurde weiterentwickelt und weitergegeben. Es ist eine Art Familientradition. Aktuell kenne ich nichts Besseres um meine Gurkenpflanzen optimal wachsen zu lassen.
Schlangengurken pflanzen
Im Abstand von knapp einem Meter wird ein Loch von ca. 30x30x30cm ausgehoben. Hinein kommt Mist oder guter Kompost. Dieser wird anschließend mit Erde gemischt. Jede Gurkenpflanze bekommt einen Stab und einen Tontopf. Der Tontopf dient der Bewässerung. Da ich als „Moonshinefarmer“ nicht täglich im Garten sein kann, habe ich ein System entwickelt, mit dem meine Pflanzen mindestens 3 Tage allein bleiben können. Der Tontopf kommt direkt neben den Wurzelballen und wird ebenerdig miteingegraben. Rings um die Pflanze kommt eine Gießmulde (Ein Ring aus Erde), damit das Gießwasser nicht weglaufen kann. Gegossen wird in den Topf. Die Pflanzen werden so lange gegossen, bis der Topf voll Wasser bleibt. Erst dann ist die Erde rings herum ausreichend nass und bleibt es dann auch entsprechend lang. Später, wenn die Pflanzen groß sind und sich auch auf der Erde ranken, weiß ich anhand der Töpfe, wo die Pflanzen gegossen werden müssen. Gurken werden immer mit leicht erwärmten Wasser gegossen, nie mit kaltem, welches beispielsweise aus einem tiefen Brunnen oder der Wasserleitung kommt.
Rankhilfe
Ist die Pflanze über einen Meter hoch, wird der Haupttrieb abgeknipst. Dies fördert die Bildung der Seitentriebe. Spätestens jetzt sollte der Pflanze eine Rankhilfe angeboten werden. Ob die Gurkenpflanzen dann tatsächlich hochranken oder lieber auf der Erde weiterwachsen wollen, entscheidet scheinbar jede Pflanze für sich.
Lüften
Mein Folienzelt bleibt die meiste Zeit lang zu. Wenn es sehr heiß ist, sollte gelüftet werden. Dann ist es wichtig die Pflanzen regelmäßigzu gießen. Wenn ich bei sehr heißem Wetter das Zelt nicht lüften kann, können hochrankende Pflanzenteile verbrennen. Allerdings erholen sich die Pflanzen anschließend. Meist bleiben die Triebe auf dem Boden verschont und treiben entsprechend neu aus.